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IT-Kompetenz - erst recht in der Nische!

verfasst von Martin Groß-Albenhausen am 17.6.2013
Zooplus verzichtet bewusst auf Online-Formate, die nicht der kundenorientierten Positionierung entsprechen.

Auf dem EHI Multichannel-Kongress hat der CIO der Zooplus AG, Richard Alan Herzog, in einem beeindruckenden Vortrag erläutert, wie die IT der Unternehmensstrategie folgt. Das sollte zwar stets so sein, aber gerade in Unternehmen, die nicht im Onlinehandel gestartet sind, liegen oft tiefe Gräben zwischen Einkauf, Marketing, Vertrieb und IT.

Auf dem Bild oben rechts sieht man in einem typischen Netzdiagramm, wo Zooplus seine Positionierung sieht – und warum daher nicht jeder mögliche Ansatz (Gamification! Abo-Commerce!) überhaupt für die IT ein Thema geworden ist. futterabo.zooplus.de ordnete sich hier dem wichtigeren Aspekt des effizienten Einkaufs unter. Bei einem Anbieter wie wunschfutter.de fällt das Abo-Konzept demgegenüber unter die „Demand Generation“ oder „Shopping Experience“, die „hundewunderbox.de“ versucht sich als Glossybox-Klon für den Tiermarkt.

Holger Hengstler, langjähriger Geschäftsführer von dress-for-less und heute vor allem als Investor mit Brains-to-Ventures aktiv, hat vergangene Woche beim Usermeeting unseres Preferred Business Partners mac-its drei Zukunftskonzepte im Interaktiven Handel gezeigt.

  • Große Category Killer werden es neben Amazon schwer haben – Szenario 1 ist also nur etwas für Unternehmen mit „deep pockets“ bzw. viel Venture Capital.
  • Das zweite Szenario sind Aggregatoren bzw. Vertikalisten, auch dies sicher nicht für jeden Händler der Königsweg.
  • Der dritte Weg liegt in der Nische – allerdings dann auch mit Killer-Ansatz und vor allem eindeutiger Prozess-Kompetenz.

Und der Tiermarkt? Laut Industrieverband Heimtierbedarf lag das Volumen in Deutschland im Jahr 2012 bei knapp 3,9 Mrd. Euro. Der größte Teil des Umsatzes entfällt dabei auf die Nahrungsmittel, und so ist es kein Wunder, dass von Schecker über Alsa-Hundewelt bis zu Clevercat dies typische Einstiegsprodukte auch im Online- und Versandhandel von Tierbedarf sind.

Der Industrieverband Heimtierbedarf und der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe haben freilich bislang noch keine belastbaren Zahlen über den Onlinehandel erfasst. Man wiegt sich in Sicherheit mit bekannten Aussagen, die vergangenes Jahr der dpa diktiert wurden:

Der stationäre Fachhandel werde in dieser Branche immer wichtig bleiben. "Gerade das Geschäft mit Hund und Katze ist sehr emotional", betont Antje Schreiber [Sprecherin des Zentralverbandes]. Da müsse ein neues Mäntelchen oder ein Maulkorb vor Ort angepasst werden. "Und auch ein großes Aquarium mit vielen bunten Pflanzen kommt als Foto im Internet nicht so rüber wie im Laden."

Die Konsumenten-Befragung des bvh hat für 2012 ein Bestellvolumen von 350 Mio. Euro ergeben, was demnach knapp 10 % des Marktes in Deutschland ausmacht. Im 1. Quartal 2013 waren es demnach allein schon 200 Mio. Euro. Zooplus geht davon aus, dass vom gesamten europäischen Marktvolumen von 22 Mrd. Euro gerade einmal 2-3 % auf das Internet entfallen.

Da der Markt – wie der ZZV konstatiert –eigentlich gesättigt ist, steht auch hier ein Verdrängungswettbewerb an. In der breiten Bedarfsdeckung gibt es stationär und online klare Marktführer. Die Hunde- und Katzen-Besitzer haben ihre o.g. Einkaufsquellen, Volieren bekommt man bei Parrots Parcel, Pythons und Vogelspinnen versendet M&S-Reptilien (und natürlich auch das Zubehör).

Für das Gros dieser Shops wäre eine vom Zooplus-Beispiel abgelernte Web-Entwicklungsstrategie ratsam. Denn in vielen Fällen ist völlig unklar, wo die Unternehmen ihren Schwerpunkt setzen – und wie sie hier eine technologische Kompetenz-Aufbauen, die sie schwerer angreifbar macht. Aktuell setzen viele einfach auf die Produkt-Nische. Damit liegen sie quasi innerhalb des Zooplus-Trapez und müssen sich im Sortiment und der Marge mit stationären Händlern und den Online-Category Killern messen. 

Dabei liegt die Kompetenz künftig stärker in den Prozessen, denn diese lässt sich schwerer „sourcen“ als Ware. Daher: wenn Händler in die IT investieren, dann richtig.

Übrigens hat das Zooplus dies auch erkannt und entschieden, auf selbstentwickelte Technologie künftig da zu verzichten, wo sie keine Differenzierung im Sinn der Unternehmensstrategie möglich macht.

 

 

Martin Gross-AlbenhausenPermalinkKommentare 2
Tags: tierbedarf, it, zooplus, fachhandel
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