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Zentrales Lager - dezentrale Logistik?

verfasst von Martin Groß-Albenhausen am 30.8.2013
Wie sehen Prozesse aus, die zentrale Disposition und Bevorratung (die das Web verlangt) mit den logistischen Vorteilen kundennaher Läger verbinden könnten? (Foto: Metasonic)

Drei Kurzmeldungen der vergangenen Wochen geben mir zu denken:

  • • Laut unseren aktuellen Quartalszahlen, haben im zweiten Quartal knapp 10 % der Befragten bei Unternehmen online bestellt, die aus dem stationären Handel kommen. Bei Internet Pureplayern abseits der Online-Marketplaces waren es gut 13 Prozent – ein Vorsprung von weniger als 5 Prozent.
  • • Der Paketdienst DPD hat sich an unserem Preferred Business Partner Tiramizoo (Same Day Delivery) beteiligt.
  • • MyTaxi will künftig den Nutzern die Möglichkeit geben, Warenlieferungen zum Kunden zu bringen.

Über die Perspektiven der Same Day-Delivery habe ich gar nicht weiter räsonniert: das werden die Kunden entscheiden. Sicher wird es einen Teil geben, die Ware taggleich haben wollen, und dafür Mehrkosten in Kauf nehmen. Allerdings ist das reine Angebot der SDD keine Lösung für die zentralen Probleme, die stationäre Händler mit dem Web haben; speziell hinsichtlich der Sortimentsführung und Daten-Exzellenz. Beide sind nun einmal elementar, um ein substantielles Online-Geschäft zu entwickeln.

Nun stelle ich mir die Frage:

  • Wenn einerseits die gut skalierenden Onlineshops hoch effiziente zentralisierte Logistik nutzen, die taggleiche Lieferung nicht unbedingt ermöglicht,
  • wenn andererseits die stationären Händler nur in Ausnahmefällen rentable Onlineshops skalieren können (jenseits sprungfixer Kostenpositionen),
  • wenn zudem ohnehin zu viel Ware im Markt ist und die Bevorratungszwänge einerseits (Relevanz sinkt mit mangelnder Lieferfähigkeit) und die gewollte Verknappung durch die Marken andererseits den Handel berühren,
  • und wenn schließlich für viele Onlinehändler angesichts der Preistransparenz reine Handelsware nicht mehr genügt, Eigenmarken aber erst eine breitere Nachfrage erreichen müssen, um in den Suchmaschinen wiederum gut zu funktionieren,
  • ist es dann nicht an der Zeit, mal über „distribuierte“ Logistik nachzudenken?

Einen solchen Ansatz hat exemplarisch die Beratung Dr. Thomas und Partner mit dem Gaxsys-System entwickelt. Das Modell an sich ist schon ein paar Jahre im Markt und hat einige Nutzer; allerdings fokussiert es momentan stark auf Marken und stationäre Händler. Der Onlinehandel ist nicht im Fokus.

Gaxsys lässt statt Ware Daten reisen: Marken, die per se eine hohe Online-Sichtbarkeit haben, lassen die Ware, die im Onlineshop der Marke selbst gekauft wurde, von den verbundenen Händlern liefern. Dahinter liegt ein Bidding-System, das zunächst den am nächsten gelegenen angeschlossenen Händlern den Auftrag zu einem bestimmten Preis anbietet. Wenn der Händler die Ware vorrätig hat und mit den Konditionen einverstanden ist, verkauft er die Ware sozusagen der Marke zurück und erhält gleichzeitig den Auftrag.

Die Kundenbeziehung bleibt zwischen Marke und Endverbraucher, die Abwicklung inklusive Retouren aber erfolgt über den stationären Händler, der somit den Umsatz bewahrt. Das System hat einige Haken und Ösen, aber es ist ein schlüssiger Ansatz für Marken und stationäre Händler.

Was aber ist mit dem Onlinehandel? Ein großer Teil des Traffics geht ja nicht direkt zu den Marken oder direkt zu den stationären Händlern, sondern in die Shops von E-Commerce-Playern. Wie könnte eine Lösung für sie aussehen?

Im Prinzip gibt es keinen Grund, dass der Onlinehändler nicht selbst in ähnlicher Weise als Großhändler die stationären Kollegen kooperativ nutzen kann. Sicher, das ist eine Frage der Marge. Aber für den Onlinehändler steht auf dem Spiel, Relevanz immer dann zu verlieren, wenn lokale oder zeitkritische Lieferungen für den Kunden wichtig werden. Eigenmarken wiederum werden in der Fläche präsent und ziehen sukzessive eine eigene Nachfrage. Umgekehrt können die stationären Händler bestimmte online relevante Marken beziehen und obendrein – was „normale“ Großhändler nicht liefern – auch Kunden darüber generieren. Für die lokale Optimierung erhalten sie vom Onliner (weil es dessen Kerngeschäft ist) für das Web optimierte Produktdaten.

Im Ansatz bringen Portale wie KeenOn von Otto schon solche Funktionalitäten; und auch der inzwischen eingestellte „Brand Marketplace“ zitra.com hätte sich dahin entwickeln können. Damit das Konzept fliegt, müssen die Onlinehändler aber mehr bieten als Restware: Die Chance liegt darin, den stationären Kollegen kurzfristige aktuelle Sortimentsoptimierung aufgrund der Online-Nachfragetrends zu ermöglichen. Es geht darum, gemeinsam das Internet in die stationären Prozesse zu bringen. Eine Kooperationsleistung, die sonst nur die wenigen echten Multichannel-Händler erreichen können - und auch nur dann, wenn sie online nicht "best effort", sondern"best in class" sind. Mal ehrlich: wie viele fallen einem da ein?

"Komm mal wieder runter, Grobi, das kann doch gar nicht funktionieren. Der Onliner verdient immer mehr an der Ware, die er selbst verkauft, und wird sich doch keine Konkurrenz heranzüchten. Außerdem wird er in der eigenen Logistik auf Nachfrage disponieren, solange er keinen Einblick in die ggf. bei Partnern verfügbaren Bestände hat. Was bringen überhaupt viele verteilte Lagerorte, wenn dadurch Sendungsteilungen verursacht werden? Und was die Marken dazu sagen, steht noch auf einem ganz anderen Blatt…"

Alles richtig. Aber dagegen steht für mich, dass immer mehr Nachfrage primär ins Web verlagert wird und dort immer öfter – inzwischen in bald jedem zweiten Fall! – dem dominanten Online-Marktplatz anheim fällt. Konkurrierende Ware, entsprechende Disposition und Sendungsteilungen sind dort Alltag – und der Kunde akzeptiert es. Ob die Marken wirklich den Marketplaces auf ewig gram bleiben, bezweifele ich stark. Dass der Verzicht auf die Preisparität an der Größe des Marktplatzes etwas ändern wird, ist angesichts der bereits bestehenden Abhängigkeiten kaum vorstellbar. Und dass der Konsument vermeintliche Beschäftigungsskandale mit Abwanderung gestraft hätte, geht aus unseren Zahlen eben nicht hervor.

Können wir es uns da wirklich noch leisten, alte Prozesse zu verteidigen?

Wer mit uns über solche Logistik- und IT-getriebenen Innovationen und die passenden Prozesse weiter nachdenken möchte, und zwar ganz praktisch, kann das auf dem etailment Summit machen. Dort geht es um genau solche Handelslösungen, die nicht „gegen“ das Internet, sondern mit diesem entwickelt werden. Jetzt anmelden!

 

 

Martin Gross-AlbenhausenPermalinkKommentare 0
Tags: tiramizoo, mytaxi, same day delivery, marktplätze, stationärer handel, multichannel, logistik
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Zustellprozess der Zukunft: ePOD@Home hat Szenario für sichere Warenübergabe entwickelt

Ein Beitrag von Fabian Schneiders, Fraunhofer-Institut für Materialfluß und Logistik, vom 29.05.2013

Mit dem anhaltenden Boom des Internethandels ist ein sicheres und serviceorientiertes Verfahren zur Warenübergabe dringend erforderlich. Denn noch gibt es zahlreiche Lücken im Zustellprozess. Das Verbundprojekt ePOD@Home im EffizienzCluster LogistikRuhr präsentiert jetzt ein Anwendungsszenario, das die notwendige Sicherheit bietet:

Die Lösung, die auf den Strukturen des elektronischen Personalausweises aufsetzt, sorgt endlich für Transparenz bei der Waren-übergabe an der Haustür. Das Ergebnis liegt inzwischen in Form eines Demonstrators vor, der den möglichen Ablaufprozess der gesicherten Auslieferung mit neuem Personalausweis per Offline-eID aufzeigt.

Trifft der Paketbote den Adressaten heute nicht an, gibt er die bestellte Ware bei einem Nachbarn ab. Diese gängige Vorgehensweise ist für Absender und Empfänger eigentlich gleichermaßen praktisch. Doch bei der Zustellung persönlicher Produkte (etwa Medikamente) oder auch hochpreisiger Waren ist es den meisten Verbrauchern eben nicht recht, dass fremde Menschen Einblicke in ihr Bestell- bzw. Konsumverhalten erhalten.

Mit der Lösung von ePOD@Home, einem mobilen Offline-eID-Szenario, können Kunden nun bereits bei der Bestellung von Waren im Internet die Option der sicheren Übergabe an der Haustür wählen. Das System nutzt dabei die Strukturen des elektronischen Personalausweises und bietet so die Sicherheit, dass die georderte Ware auch tatsächlich dem Käufer bzw. einer von ihm autorisier-ten Person übergeben wird.

Für Online-Händler ergeben sich mit ePOD@Home zum einen neue Möglichkeiten der Kundengewinnung und -bindung, zum anderen können sie auf Basis der Lösung ihr Produktangebot erweitern. ePOD@Home ist damit die Grundlage eines vielversprechenden neuen Geschäftsmodells – nicht nur für die Handelsunternehmen selbst, sondern auch für Logistik-Dienstleister und es klärt sich für Händler und Logistik-Dienstleister die Haftungsfrage, wenn ein Paket einmal nicht ans Ziel kommt.

Partner des Projekts sind die Unternehmen Fraunhofer IML, Identcom GmbH, LinogistiX GmbH, LogAgency GmbH, media transfer AG und Sanicare Apotheke. Die Lösung soll nun in der bestehenden Usergroup weiterentwickelt werden. Interessierte Unternehmen können dort eigene Erfahrungen mit der sicheren Warenübergabe sammeln und wichtige Erfahrungen aus dem Alltag mit in die Weiterentwicklung einbringen.

Christin SchmidtPermalinkKommentare 0
Tags: epod@home, fraunhofer-institut für materialfluß und logistik, fabian schneiders
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Veranstaltungstipp: „Fashionlogistik im Umbruch"

Ein Beitrag von Dr. Petra Seebauer vom 27.05.2013

Die Fashionbranche zeichnet sich durch ein hohes Maß an Flexibilität und Innovationskraft aus. Die starken und innovativen Marken und Designs gerade deutscher Fashionanbieter und -händler erfreuen sich weltweit großer Beliebtheit. Deshalb entdecken immer mehr Fashionbetriebe auch die Vorteile des interaktiven Direktvertriebs und bauen eigene Online-Shops auf.

So erhöhte sich 2012 der Umsatz im Interaktiven Handel um elf Prozent auf rund 10,8 Milliarden Euro in Deutschland. Die Modewelt präsentiert sich damit als das wichtigste Teilsegment im Online- und Versandhandel. Doch das veränderte Einkaufsverhalten der Konsumenten stellt die Fashionbranche vor neue logistische Aufgaben, die Investitionen in Supply-Chain-Projekte steigen seit Jahren kontinuierlich.

Diskutieren Sie mit LOGISTIK HEUTE und hochkarätigen Referenten auf der Veranstaltung "Fashionlogistik im Umbruch"

Wann: Donnerstag, 13.  Juni  - Freitag, 14. Juni 2013

Wo: Ibbenbüren/Osnabrück

bvh-Mitglieder erhalten 12 Prozent Rabatt auf die Teilnahmegebühr!

Lernen Sie,

·       wie Sie mit optimiertem Supply Chain Management weiteres Wachstum erzielen können,

·        warum Logistik-Insourcing eine kostengünstige Variante sein kann,

·        wie ein Fashionunternehmen seine Waren ins Netz bekommt,

·        worauf es beim erfolgreichen länderübergreifenden Lieferantenmanagement ankommt.

Es referieren:

Jochen Bernsdorf, Head of IT, Logistics & E-Commerce, LERROS Moden GmbH, Neuss

Dr. Annika Busse und Dr. Andrea Noelle, Geschäftsführerinnen der Beliya GmbH, Hamburg

Thomas Dalsaß, COO, Head of Logistics & IT, BRAX Leineweber GmbH & Co. KG, Herford

Friedrich-Wilhelm Düsing, Geschäftsführer von Metroplan Engineering GmbH, Hamburg

Dörte Kaschdailis, Head of Operations, Planet Sports GmbH, München

Uwe Schildheuer, Geschäftsführer der Meyer & Meyer Warehousing Services GmbH, Osnabrück

Detaillierte Informationen finden Sie unter:

http://www.logistik-heute.de/Logistik-Veranstaltung/10401/Fashionlogistik-im-Umbruch

Flyer mit Anmeldeformular zum Download:

http://www.logistik-heute.de/sites/default/files/logistik-heute/story/2013/04/logistik_heute_flyer_fashionlogistik_13_06_2013_pd_17017.pdf

E-Mail: info@logistik-heute.de

Info-Hotline: +49 89 323 91 211

Christin SchmidtPermalinkKommentare 0
Tags: logistik heute, fashionlogistik im umbruch, petra seebauer
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