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9. Tag der Asienreise - Interview mit Janine Fennes, Business Development Manager novomind AG

Befragt am 22.04.2013 von Christin Schmidt

Wie war deine Erwartungshaltung an den chinesischen E-Commerce und seine Dienstleister, bevor wir auf die Reise gegangen sind? Nach einigen Tagen China und Präsentationen verschiedener E-Commerce-Player vor Ort: Treffen deine Erwartungen zu?

"Ich war gespannt darauf, einen Eindruck zu bekommen, wie sich E-Commerce-Modelle im Vergleich zum deutschen Markt unterscheiden, welche Technologien genutzt werden und wie die Unternehmen die starke Dynamik im Griff haben und managen.
Wir haben viele Eindrücke bekommen. Neben der unglaublichen Dynamik zeigte sich durchgängig, dass der Markt anders funktioniert. So wird hier E-Commerce mit einem Marktplatz-Anteil von 90 % dominiert, während in Deutschland oder in den USA rund 70 % des Marktes individuelle E-Commerce Konzepte sind. Man setzt auf Eigenentwicklungen, Ebay, Amazon oder vergleichbare Anbieter sind hier in China eine kleine Nummer!

Der heutige E-Commerce ist mit dem C2C Commerce entstanden. E-Commerce Dienstleistungen werden auch von Unternehmen ausgeführt, die nicht unbedingt ihre Urprung im E-Commerce haben, z.B. Chinapay mit eMall. Hier wird E-Commerce Full Service: Beratung, Konzeption, Design, Payment, Lieferung,… alles aus einer Hand, „single source of service“, angeboten. Das ist der bevorzugte Weg, anstatt sich für verschiedene Dienstleister mit unterschiedlichen Kompetenzen zu entscheiden.
Interessant ist dabei auch, dass die chinesische Kultur sich damit schwer tut, „Zeit zu kaufen“. So werden Dienstleistungen erst dann beauftragt, wenn bereits Erfahrungswerte aufgezeigt werden können. Am liebsten machen chinesische E-Commerce Unternehmen alles selbst.  
Leider haben wir keine wirkliche Einblicke in die Technologien zu bekommen. Die Unternehmen, die wir kennen gelernt haben, setzen auf Eigenentwicklungen, die die noch keine besonderen Features aufweisen. E-Commerce Standardtechnologien spielen hier eine untergeordnete Rolle. Ausländische Unternehmen müssen sich sehr genau mit den Marktregeln auseinandersetzen, um nicht zu scheitern.

Was mir unheimlich gut gefällt ist die Art und Weise, wie die chinesische Unternehmen ihre Themen angehen: Kurze Entscheidungswege und schnelle Umsetzung, um den wachsenden Markt zu bedienen.
Um das Thema Dynamik noch einmal abzuschließen: Der E-Commerce in China wird Prognosen nach 2020 mit 420-650 Mrd. US$ das gleiche Volumen einnehmen, wie Japan, Deutschland, Frankreich, UK und die USA zusammen! Dadurch wird deutlich, welches Potenzial dieser Markt hat."

 

Worin unterschieden sich deiner Meinung nach die chinesischen Konsumenten in ihrem Anspruch an den E-Commerce am stärksten von den europäischen Kunden?

"Die chinesische Gesellschaft ist sehr konsumgetrieben. Mit dem wachsenden Wohlstand geben sie einen deutlich höheren Anteil ihres frei verfügbaren Einkommens auf Konsum, besonders online, aus. Es gibt in China eine eigene Kategorie der „heavy shoppers“, die über 500 EUR im Monat im Online-Einkauf ausgeben. Das ist bei durchschnittlichen Einkommen von vielleicht 500 EUR schon erstaunlich. Dabei genießen westliche und vor allem deutsche Marken ein besonderes Ansehen. Auf Hinblick der zahlreichen Fälschungen, die hier offen in „Fake-Malls“ verkauft werden, ist den Konsumenten die Echtheit der Ware im Online-Kauf sehr wichtig. Die Vertrauensbeziehung zum Händler spielt eine ganz besondere Rolle, was natürlich den etablierten Händlern wie 360buy einen deutlichen Vorteil beschert. Es gibt allerdings auch viele schwarze Schafe; jedes Jahr werden 1000e Shops, die Fälschungen oder Grauware verkaufen, vom Staat geschlossen. Das ist den Konsumenten bewusst, und so werden die verschiedenen Händler in sozialen Netzen (Facebook und Twitter gibt es hier nicht, dafür aber lokale, nicht minder populäre Alternativen wie renren) diskutiert und fast allen Kaufentscheidungen geht ein Chat zwischen Konsument und Online-Händler voran. Daneben ist die Verbreitung von Mobilgeräten deutlich höher als in Europa, und dementsprechend viel wird von eigens optimierten mobile Shops gekauft. Also, Marke und Herkunft haben hier sicher eine weit stärkere Bedeutung als noch in Europa. Interessant ist, dass das Produkt genauso anerkannt ist, wenn die Ware in China produziert wurde, aber ein westliches Label trägt. Es hat die volle Akzeptanz beim Kunden. Es gilt: Marke mit Qualität, E-Commerce Plattform des Vertrauens mit guter Chat-Beratung und die Kaufentscheidung wird getroffen.

Mit der Begehrtheit deutscher Marken und dem Potential daraus ergeben sich für die Händler einige Herausforderungen: Welches sind denn eigentlich die Plattformen, auf die die chinesischen Konsumenten heute und vor allem morgen setzen? Es gibt unzählige Händler und Marktplätze, die alle darum konkurrieren, die Waren Europäischer Marken anzubieten. In Hinblick auf diese Vielfalt und die Dynamik sind Marken also gut beraten, nicht nur auf einen Partner zu setzen sondern auf eine Lösung zu setzen, die die Anbindung an diverse Marktplätze, automatisierte Prozesse und eine regelbasierte Sortimentssteuerung zulässt, wie es novomind iPOEMTM ermöglicht."

 

Was hat Dich beim Besuchen bei GEODIS und Intertek am meisten begeistert?

"Ich hatte eine andere Erwartungshaltung an die Möglichkeiten im Fulfillment in China und habe diese auch übertragen auf Geodis. In der Halle für Kosmetikprodukte konnten wir keine Klimanlage, dafür aber Ventilatoren finden... Alles läuft noch sehr manuell, wird händisch abgewickelt, die Arbeitskultur ist nicht auf Schnelligkeit ausgelegt. Derzeit steht das Handling in Relation mit der aktuellen Situation im E-Commerce. Die Mengen sind abwickelbar, die Arbeitskräfte günstig und damit ist keine Investition in die maschinelle Abwicklung geplant. Interessant wird es sein zu beobachten, wie die derzeitige Organisation und die Prozessabwicklung an das Wachstum des E-Commerce angepasst wird.

Intertek ist führender Anbieter für Quality Solutions und bietet Händlern und Lieferanten mit der Tochterfirma tradegood eine gute Basis für einen Markteintritt in China. Der Besuch bei Intertek hat meinen guten Eindruck, den wir mit der Begleitung von Tradegood und Intertek während unserer Tage in China erhalten haben, absolut bestätigt. Nachdem wir gesehen haben, wie die Qualitätskontrolle der Ware durchgeführt wird, bin ich sicher, dass hier gute Arbeit geleistet wird und vertraue auf die Kompetenz von Intertek. Ich kann Händlern in Deutschland und auch novomind Kunden empfehlen, Intertek bei dem Markteintritt in China zu nutzen: Zum einen, um den richtigen Partner auf der Seite zu haben, der den Markt kennt und zum anderen, sicherzustellen, dass Produktion sowie Lieferanten einwandfrei sind. Sich als Händler durch Intertek zertifizieren zu lassen hilft ungemein, bei den chinesischen Unternehmen und auch Konsumenten Vertrauen zu schaffen, um den E-Commerce-Erfolg zu unterstützen."

 

Hier finden Sie weitere Informationen zu novomind.

 

Christin SchmidtPermalinkKommentare 0
Tags: bvh-asienreise, bvh-e-commercereise, novomind, janine fennes
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