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Need4Speed: Lean Canvas in etablierten Handelsunternehmen?

verfasst von Martin Groß-Albenhausen am 22. August 2012


Im Gespräch mit den Seed Investoren von Etventure (s. "Lob der Faulheit") hat sich der Geschäftsführer und ehemalige Bertelsmann-Manager Christian Lüdtke für den Ansatz des "Minimal Viable Products" ausgesprochen: Ein neues Produkt oder ein neuer Service wird in einer beta-Version so früh wie möglich im Markt getestet. Nur solche frühen Echtdaten geben Aufschluss darüber, ob die Annahmen zur Akzeptanz oder der Marktfähigkeit auf Basis vertrauter Vertriebswege stimmen - oder ob das Projekt überarbeitet bzw. sogar eingestellt werden muss.

MVP gehört in den Kontext der Startup-Philosophie des "Lean Canvas". Was auf den ersten Eindruck charmant erscheint - ein Business-Plan auf einer DIN A3-Seite - ist im Kern alles andere als ein Lob der Faulheit. Es ist wesentlich schwerer, sich nicht in 50 Seiten voller Ideen, Skizzen und Annahmen zu verlieren.

Lean Canvas setzt darauf, von einer Problem-Definition mit Blick auf eine klar umrissene Zielgruppe zu einer Lösung zu schreiten. Auf der DIN A3-Seite sind dazu auch noch das Wertversprechen (USP), die KPIs, Vertriebswege, Umsatz- und Kostenannahmen und der vom Autor des Lean Canvas, Ash Maurya, als "unfairer Wettbewerbsvorteil" bezeichnete Knackpunkt des Geschäftsansatzes zu benennen.

Nicht wenig - aber natürlich einfacher, wenn man "from scratch" arbeitet wie ein Gründer.

Was aber macht man in etablierten Handelsstrukturen?

Die "Unternehmer im Unternehmen" sind erstens rar gesät, zweitens finden sie oft kein fruchtbares Umfeld und drittens sind sie selbst in ihrem Unternehmen in bestimmte Prozesse eingebunden, die häufig schon das Denken lähmen. Was an anderer Stelle als "Erfahrung" wertvoll ist, kann zu einem typisch europäischen Phänomen führen: Man optimiert in den Grenzen der Prozesse, man "springt" aber nicht zu einer disruptiven, neuen Prozess-Definition.

Wenn man den "Lean Canvas" (hier ein Poster vom Startupnavigator) ins Unternehmen transferiert, dann kann der Händler aber extrem von diesem Ansatz profitieren:

  • Fokus auf den USP: Welches Wertversprechen kann ich machen, das ein typisches Kundenproblem mit meinem Sortiment oder meinem Geschäftsmodell löst?
  • Welcher Service erzeugt eine Wechselbarriere für meine Kunden? (Die Antwort auf diese Frage war bei Apple das iTunes-Ökosystem, es kann im Bereich des B2B eine Integration in Sourcing-Prozesse sein und generell z.B. die mühsame Schnittstellen-Programmierung, die EDV-Hopping unmöglich macht.)
  • Welche Prozesse machen uns langsam, wer hat damit die meisten Probleme und wie kann ich die Prozesse anders gestalten?

Lean Canvas kann man immer dann einsetzen, wenn man über die Entwicklung eines neuen POS nachdenkt - ob das ein Poster, ein Kundenmagazin, ein Store oder eine App ist. Jede Abteilung kann ein eigenes Lean Canvas aufbauen.

Viele Ideen werden sich schnell erledigen, weil einfach keine nachhaltige Differenzierung möglich ist oder nicht wirklich ein Bedarf besteht. Das erzeugt Fokus, und das wiederum macht schon per se schneller.

Wir brauchen mehr Geschwindigkeit im Handel. Lean Canvas ist ein Weg dahin.


Martin Gross-AlbenhausenPermalinkKommentare 2
Tags: innovation, startup, geschäftsprozess, usp
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Lob der Faulheit

verfasst von Martin Gross-Albenhausen am 13. August 2012


Google überrascht mich dieser Tage mit einigen Neuerungen. Da ist z.B. das sog. Knowledge Graph Carousel, mit dem bei Suchanfragen statt der langen SERP-Reihen sinnvolle Resultate in Boxen (oder Fotos) oberhalb der eigentlichen Ergebnisse abgebildet werden.

Oder da ist das Erlebnis, dass Google Goggles viele meiner Handy-Bilder automatisch richtig identifiziert hat (dass der Spree-Dampfer am Bode-Museum vorbeigefahren ist, wäre mir sonst entgangen :-)).

Oder die Möglichkeit, auf dem Smartphone die Worte jetzt einfach mit dem Finger zu schreiben (fast wie vor gefühlt einem Vierteljahrhundert auf dem Palm Pilot).

Lauter "Innovatiönchen", die kein neues Geschäftsmodell begründen, aber einer grundlegenden Wahrheit geschuldet sind: Fortschritt verdankt viel der Faulheit des Menschen. Der Ansatz, das Leben bequemer zu machen, ist viel besser als alles komplizierter zu gestalten. (Für letzteres sorgen die Politiker.)

Legt man auf die einzelnen Neuerungen das Kriterium "kommt meiner Faulheit entgegen" an, dann ist die handschriftliche Eingabe wenig sinnvoll: sie ist mühsamer als z.B. Swype-Technologie, der SMS-Daumen der Kids schon sprichwörtlich und im übrigen um Längen langsamer als Siri oder Googles Voice Search.

Auf der ersten eCommerce City Lounge von Hamburg@Work hat am vergangenen Dienstag ein Vertreter der Mediterranean Shipping Company sehr deutlich auf die unerschlossenen Innovationspotentiale am "Backend" vieler Handelsprozesse hingewiesen. Bei den Reedereien würden noch vielerorts Excel-Dateien per e-Mail hin- und hergeschickt.

Lob der Faulheit - Fluch der Faulheit. Derzeit ist es offenbar bequemer, Tabellen zu schubsen, als Daten eleganter auszutauschen. Hier ist Raum für Innovation, und die Revolution steht noch bevor.

Genau solche Innovationen gibt es auch im Interaktiven Handel. Lösungen, die speziell für die vielen kleinen und mittleren Händler das operative Geschäft da erleichtern, wo nicht wirklich Herzblut und genügend Manpower liegen. Die Seed Investoren von etventure haben z.B. zwei Produkte in der Pipeline, die durchaus attraktive Lösungen bieten.

360report ist ein webbasierter Generator von Nachhaltigkeitsberichten nach GRI-Standard. Kein Ersatz für eine Zertifizierung, aber ein eleganter Weg, den Kunden und "Stakeholdern" regelmäßig Verbesserungen in der Ressourcenschonung zu dokumentieren - und zwar schön gestaltet in Prosa und auf Wunsch mit eigenem Vorwort.

Buypackaging wiederum erlaubt die Ausschreibung von Folienmaterial. Sicher kein zentrales Thema für Onlinehändler, aber gerade darum eine echte Erleichterung, wenn man nach passenden Lieferanten sucht.

Lob der Faulheit: Der E-Commerce wie überhaupt der Distanzhandel setzt sich auch deshalb so massiv durch, weil er so bequem ist. Deshalb sind solche Handels-Innovationen auch eher skeptisch zu betrachten, die vom Nutzer mehr erfordern: mehr Daten, mehr eigenes Engagement ("Customization"), mehr Risiko (Auktionen). Sie funktionieren - aber sie haben ihre Grenzen.

Und egal wie schlecht Amazon manche Produkte darstellt: Die Faulheit ist so groß, dass man doch dort kauft. Well done.

--------------

Kleiner Nachtrag: Wenn ich mir Microsofts neues Outlook ansehe, fällt mir auf, dass der gleiche Mechanismus auch gegen den Händler verwendet werden kann. Ich meine den Abmelde-Button. Bislang konnte man sich zwar schon von Newslettern abmelden, allerdings gab es nicht "den" Standard für den Abmelde-Link. Im neuen Outlook spürt Microsoft jetzt den Link auf und legt ihn hinter einen Funktionsbutton. Wenn ich zu faul zum suchen war - jetzt brauche ich nur noch auf den Abmelde-Button klicken.

Martin Gross-AlbenhausenPermalinkKommentare 3
Tags: innovation, amazon, google, etventure
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