Zuhause in der weiten Welt – Interaktiver Handel „Made in Germany“ kennt keine Grenzen

verfasst am 12.12.2012 von Stefan Voigt

Durch die Globalisierung und die einhergehende Öffnung von Wirtschaftsmärkten haben sich in den letzten Jahrzehnten neue Potentiale für den Interaktiven Handel ergeben. Der grenzübergreifende Versand von Waren und das Agieren auf ausländischen Märkten ist bereits heute für viele Versender aus Deutschland Realität. Interaktiver Handel „Made in Germany“ scheint en vogue und die Internationalisierung deutscher Versender schreitet voran.

Der bvh hat diese anhaltende Entwicklung zum Anlass genommen, um das Cross Border Geschäft mit Hilfe einer Händlerbefragung differenzierter darstellen zu können. Aus diesem Grund wurden zwischen Oktober und November 2012 Mitgliedsunternehmen des bvh zu ihrer Tätigkeit und Erfahrungen auf ausländischen Märkten befragt. Neben der Frage wie hoch der Anteil an Interaktiven Händlern ist, die bereits im Ausland tätig sind, lag das Hauptaugenmerk der Studie darauf, die entscheidenden Zielländer, Strategien und Markteintrittsbarrieren im Cross Border Geschäft abbilden zu können.

Der grenzübergreifende Verkehr von Waren und Personen ist ein charakteristisches Merkmal unserer Zeit. Die Studie zum Thema "Cross Border Sale" zeigt, dass bereits heute 89,2 Prozent der teilnehmenden Unternehmen der Studie im Ausland vertreten sind. Ein Ergebnis das einmal mehr die zunehmende wirtschaftliche Vernetzung im Zeitalter der Globalisierung bestätigt. Von den 10,8 Prozent der Unternehmen die derzeit nicht international tätig sind, planen knapp 43 Prozent in näherer Zukunft ins Ausland zu expandieren.  

Besonders beliebt bei den Unternehmen, die bereits im Ausland aktiv sind oder künftig aktiv werden wollen, sind die deutschsprachigen Nachbarländer. In Österreich engagieren sich 84,6 Prozent und in der Schweiz 71,8 Prozent der befragten Interaktiven Händler. Als wesentliche Ursache muss die fehlende sprachliche Barriere gesehen werden, die einen Markteintritt nachhaltig vereinfacht. Es verwundert nicht, dass Staaten der Europäischen Union und weitere europäische Länder folgen. Auch außerhalb Europas sind Interaktive Händler aus Deutschland aktiv. In den USA und Kanada sind es derzeit 10,3 Prozent, in China 7,7 Prozent und in Brasilien, Indien sowie Australien jeweils 2,6 Prozent.

Bei der Expansion ins Ausland muss einiges beachtet werden. Nach dem Motto – „Andere Länder andere Sitten“ – passen 38,5 Prozent der Unternehmen ihre Strategien den Marktgepflogenheiten im Zielland an. Stichworte die in diesem Kontext immer wieder genannt werden, beschäftigen sich mit dem Produktsortiment, dem Marketing und der Preispolitik. Viele der Interaktiven Händler setzen auf deutsche Arbeitskräfte im Zuge der Internationalisierung. Obwohl bei der deutlichen Mehrheit der Unternehmen mehrheitlich auf einheimische Mitarbeiter gesetzt wird, finden sich in den Unternehmen Fachkräfte aus Deutschland. Neben dem Knowhow-Transfer werden deutsche Arbeitnehmer im Ausland als essentiell für die erfolgreiche Implementierung der Unternehmenskultur angesehen.

Viele Unternehmen werden beim Cross Border Geschäft immer wieder mit Markteintrittsbarrieren konfrontiert. Die Händlerbefragung hat gezeigt, dass sich die Erfahrungen, Erwartungen und Annahmen rund um das Thema Markeintrittsbarrieren ähneln. Rechtliche Regularien und die damit verbundenen Unsicherheiten für Unternehmen wurden gleichermaßen von Versendern genannt, egal ob diese bereits im Ausland aktiv sind oder künftig aktiv werden wollen. Interaktive Händler die international tätig sind, nannten darüber hinaus Schwierigkeiten bei der Versandabwicklung, Probleme bei der Zahlungsabwicklung, fehlende Informationen über die ausländischen Märkte und sprachliche Barrieren und ein aufwendiges Set Up als weitere Größen, die den Markteintritt erschwert haben.

Stefan VoigtPermalinkKommentare 0
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Was kostet die Welt?

überlegt von Martin Groß-Albenhausen am 12.12.2012

Der Springer Verlag versucht ab sofort auf seine Weise, der „Gratiskultur“ im Internet Herr zu werden – ohne ihre Vorzüge zu negieren. Welt.de wird künftig kostenpflichtig, mit gestaffelten Abo-Preisen und einem kostenfreien Schnupper-Guthaben pro Monat für jeden Nutzer. Als „löchrige Paywall“ wird das Konzept deshalb bezeichnet, weil Springer die auf Suchmaschinen, anderen Aggregator-Seiten und im Social Web platzierten Links auf Artikel an der Paywall vorbei leiten will.

Mitten in der Debatte um das Leistungsschutzrecht erklärt Springer – eigentlich ein Befürworter des LSR - damit, dass nicht Google und nicht die Netzökonomie das Problem der Verlagsbranche ist. Vielmehr ist es die mangelnde Fähigkeit der Verlage selbst, ihr Produkt so zu entwickeln, dass es noch differenziert genug ist, um Abonnenten zu finden. Und traut sich selbst zu, das zu ändern – u.a. mit einem passenden Payment-Modell.

Die Konstruktion der 20 kostenlosen Schnupperartikel im Monat setzt wohl nicht einmal eine Registrierung voraus. Was umgekehrt bedeutet, dass die Zugriffe über Cookies oder andere digitale Fingerabdrücke registriert werden. Und das, während in der EU über strengere Regeln für das Platzieren solcher Identifikatoren gestritten wird, und während fast alle Browser-Anbieter, „Privacy by Default“ vorschlagen.

Zweifellos ein geschicktes Heranführen der Leser an „Paid Content“, aber nach meiner Ansicht erst wirklich spannend, wenn dahinter in den Strukturen aufgeräumt wird. Angebotsgestaltung und Preispolitik – das trifft im Rahmen des Pressevertriebs ein zentrales Thema des Interaktiven Handels. Wer die Argumentation des Chefredakteurs der Welt liest, findet dort eines nicht: eine Erläuterung, warum der Nutzer eigentlich noch die gedruckte Welt abonnieren soll. Welchen Vorzug hat die physische Ausgabe noch? Oder: was ist „besser“ an der Print-Ausgabe, dass ich dafür 42,90 Euro im Monat bezahle, statt 14,99 Euro für die komplette digitale Vielfalt inklusive gedruckter WamS?

Die Frage drängt sich auf, ob der Springer Verlag hier schon eine Antwort gefunden hat. Die Tendenzen sind überall offenkundig: Sinkende Auflagen, sinkende Absatzzahlen am Kiosk, Fragezeichen beim Verkauf im Handel, eine seit Jahren instabilere Abonnement-Basis… An einer Abschmelzung der Print-Erlöse und Aufbau von bezahlten Digitalerlösen, wie bei Springer intendiert, entscheiden sich Aussehen und Funktionsweisen des gesamten Verlags-Ökosystems.

Auf der anderen Seite entwickeln Händler, auch und gerade Online-Händler, munter Magaloge, weil sie darin eine attraktive Print-Komponente in der Customer Journey sehen. Gut aussteuerbar, nicht mehr als Verkaufs-, sondern als Impuls- und Bindungsinstrument sowie als Stützungsmaßnahme, um die Preise im Suchmaschinenmarketing im Griff zu halten. Print an sich ist kein Problem, aber Print ohne Mehrwert für den Nutzer und das Geschäftsmodell ist ein Problem.

So wie viele Händler ihren gesamten Einkaufs- und Vertriebsprozess (und auch die Logistik) auf das Web ausrichten mussten, müssen auch die Verlage sich vollständig neu erfinden. Wo die Interaktiven Händler das Produktdatenmarketing lernen mussten, ist für die Verlage essentiell, die Nachrichten mit Metadaten zu versehen, um ihre Relevanz zu bewahren. Der viel beschworene Qualitätsjournalismus ist nichts wert, wenn die geneigten Leser ihn nicht finden. Zugleich steht das Modell „Print für die Masse“ im Verlagswesen wie im Versandhandel längst auf der Kippe.

Die Versandhäuser mussten die aus der Katalogwelt übernommene Strecken- und Containerdenke aufgeben. „Unbundling“ ist auch das Stichwort für die Verlage. Sie werden mehr und mehr Content als digitale Abonnements verkaufen können – aber nicht mehr in der klassischen Zeitschriften-Containerform. Je besser die Verlage ihre Nutzer kennenlernen (Web-Exzellenz! Daten-Exzellenz!), um so eleganter können sie zugeschnittene, hoch relevante Mini-Abos zu kleinen Preisen verkaufen. Abonnement ist nicht aus der Mode - es bietet Entlastung, weil Vertrauen auf die Qualität existiert. Ein Ankerpreis kann dann der personalisierte Nachrichtenstream z.B. nur des Ressorts Wirtschaft für 9,99 Euro pro Monat sein, auf allen Geräten. Zwei Feeds für 14,99 - vielleicht auch gemixt aus "Welt" und "BILD". Alle Kanäle für 29,99 Euro. Und wer dazu die Live-Übertragung seiner Lieblingssportart abonnieren möchte, zahlt 39,99 Euro. Netz ist Kooperation und neue Geschäftsmodelle!

Damit einhergehend steht auch die Druckindustrie samt ihren Dienstleistern vor einem Umbruch. Wie kann sie die Verlage (und Händler) darin unterstützen, in kleineren Auflagen und an mehr Orten präsent zu sein? Wer erfindet Print „rückwärts“ und auf einen konkreten Mehrwert hin, den der Rohstoff und physische Träger Papier bieten kann? Ich bin alt genug, um noch Autogrammkarten und Starschnitte aus der Bravo gesammelt und zusammengeklebt zu haben. Wie schneidet man seinen Star aus dem iPad? Wie geht das mit Schnittmustern für Mode? Die mobilen Endgeräte lehren uns die App-Denke: Neben dem Basisangebot müssen nützliche „Werkzeug“-Funktionalitäten entwickelt werden, um den Wiederzugriff zu sichern (kleine Reminiszenz an die Katalog-Terminologie). Welche App-Funktionalität bekommt Print, wenn es um die Verkaufsflächen-Optimierung entlastet wird?

Und die Kioske: Wie werden sie aussehen, und wie orchestrieren die Verlage diesen Offline-Kanal, damit auch dort ein „Kauferlebnis“ entsteht? Wundert es jemanden, dass Valora in der Schweiz die Kioske abgestoßen hat und stattdessen auf Brezel-Verkauf setzt?

Verlage und Versandhandel haben über Jahre eine enge und gute Kooperation gepflegt. Der Interaktive Handel und das Interaktive Verlagswesen können ähnliche und noch bessere Vertriebskooperationen schaffen. Mit neuen Wertschöpfungsmodellen für beide Seiten.

Martin Gross-AlbenhausenPermalinkKommentare 0
Tags: print, magaloge, verlage, springer-verlag, welt.de
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„Sustainability“ – Nachhaltigkeit zumindest gut für das eigene Gewissen?

verfasst am 05.12.12 von Stefan Voigt

 

Die UN-Klimakonferenz in Doha befindet sich in der entscheidenden Phase. Flankiert wird der diesjährige Umweltgipfel von einer Schreckensmeldung, die eine globale Erderwärmung von mittlerweile 5 Grad Celsius prognostiziert. Die Bilder des Hurrikans „Sandy“ sind in guter Erinnerung geblieben und die Bewahrheitung der drastischen Prognose würde aller Voraussicht nach zu einer Häufung dieser Ereignisse führen. Die wachsende Erdbevölkerung und das berechtigte Streben nach Wohlstand in zahlreichen  Gebieten des Planeten „Erde“ erschweren es, diesem Prozess langfristig Einhalt gebieten zu können. Obwohl die gesamte Situation einen mehr als ausweglosen Eindruck bei dem einen oder anderen Betrachter erweckt, obliegt es zunächst jedem selbst einen persönlichen Beitrag auf dem steinigen Weg zu leisten.

In den letzten Jahren haben sich daher eine Reihe von Bewegungen und Trends etabliert, in deren Mittelpunkt nachhaltiges Agieren in seinen verschiedensten Formen steht. Unter dem Begriff „Sustainability“ firmieren sich diese Konzepte, die an das Bewusstsein der Verbraucher appellieren. Viele der Konzepte benötigen keine weitere Erklärung, da diese längst in der Mitte der Gesellschaft abgekommen sind. Hierfür sind „Recycling“, „Corporate Social Responsibility“ und „Fair Trade“ prägnante Beispiele, die gesellschaftlich bekannt sind und von der breiten Masse praktiziert werden. Vor allem im Marketing bieten sich für Händler und Produzenten neue Perspektiven, die den Anspruch an nachhaltiges Agieren erfüllen.

Eine Option stellt das sogenannte „Cause-Related Marketing“ dar. Dabei kommuniziert eine Werbeaktion, dass ein Teil des Verkaufserlöses des beworbenen Produkts wohltätigen Zwecken zugutekommt. Durch einen Appell an das soziale Gewissen wird die Kaufentscheidung der Konsumenten erleichtert, da mit dem Erwerb des Produktes eine gute Tat einhergeht. Mit „Ethical Marketing“ hat sich ein weiteres Marketingtool am Markt platziert, das sämtliche Maßnahmen zur Absatzförderung in den Mittelpunkt stellt, die ethisch korrekte Inhalte und Aussagen berücksichtigen.  Ein veritables Instrument mit dem auf das Kaufverhalten moderner Konsumenten reagiert wird. Während Preis und Qualität als nötige Voraussetzung einer Kaufentscheidung angesehen werden, sind es vermehrt moralische Aspekte, die als Auslöser für den Erwerb eines Produktes fungieren. Dass Nachhaltigkeit auch die Qualität eines „Hipness-Faktors“ besitzen kann, zeigt das Phänomen „Greenstyle“.  Während das staubige Öko-Image vergangener Tage so viel Stiel wie ein Cornetto-Eis hatte, ist ein grüner Lebensstil längst zu einem essentiellen Statussymbol aufgestiegen. Die Integrierung von Design hat umweltbewussten Konsum ästhetisch aufpoliert und zu einem Wandel der Lebenseinstellungen beigetragen.

„Green Positioning“, „Information Transparency“ und „LOHAS“ sind weitere von vielen anderen Trends, die es im Rahmen von „Sustainability“ zu entdecken gilt. Ob die neue gesellschaftliche Prägung der Nachhaltigkeit wirklich ein Trend mit nachhaltiger Wirkung ist, wird sich zeigen. Für ein besseres Gewissen taugt „Sustainability“ auf jeden Fall.  Einen vertieften Einblick in die Thematik und spannende weitere Trends erwarten Sie im bvh Trendbook 2012/2013. Sie haben noch nicht das neue Trendbook?

Gleich bestellen unter www.bvh-trendbook.de.  

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