Lebensmittel interaktiv bestellen? – Ein Markt mit riesen Potential

verfasst am 01.11.2012 von Stefan Voigt


Die Fachpublikationen, die einem in der täglichen Postmappe begegnen, bieten wöchentlich einen spannenden Einblick auf Themen, die den Interaktiven Handel beschäftigen. Dabei haben sich wieder einmal Lebensmittel als thematischer „Evergreen“ entpuppt. Die maslowsche Bedürfnispyramide stellt nicht umsonst Essen und Trinken als fundamentale Grundlage aller menschlichen Bedürfnisse dar. Also warum in Zeiten steigender Digitalisierung im Einzelhandel kaufen, wenn man bequem von zu Hause aus Lebensmittel bestellen kann? Die Entwicklungen der letzten Jahre zeigen, der Markt ist längst vorhanden und die Bedürfnisse vieler Kunden sind bereits geweckt.

Ein Blick auf die zentralen Ergebnisse der Studie „Trends im Handel 2020“ des EHI Retail Institute verrät, dass bereits jeder zehnte Deutsche Lebensmittel über den Online-Handel bezogen hat. Darüber hinaus können sich 21 Prozent der Befragten vorstellen, künftig Lebensmittel über den Internet-Handel zu bestellen. Allein dieser Umstand würde eine Verdopplung der aktuellen Umsatzergebnisse im Bereich des Interaktiven-Lebensmittelhandels bedeuten. Die geweckten Erwartungen der zu Beginn des Jahres veröffentlichten Studie werden durch die neusten Quartalszahlen des bvh bestätigt. Im Vergleich zum 3. Quartal 2011 konnte im 3. Quartal 2012 mit Lebensmitteln, Delikatessen und Wein eine Umsatzsteigerung von 53 Prozent erzielt werden. Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse der vom bvh in Auftrag gegebenen Studie „Interaktiver Handel in Deutschland“ seit Jahren, dass die E-Commerce Umsätze durch Lebensmittel steigen. Während 2008 lediglich 170 Mio. Euro im E-Commerce Sektor umgesetzt wurden, waren es 2011 bereits 400 Mio. Euro.

Trotzdem besitzt der stationäre Handel in der Lebensmittelbranche klare Wettbewerbsvorteile. Dabei ist die direkte Warenverfügbarkeit von Lebensmitteln im Einzelhandel ein entscheidendes Verkaufsargument gegenüber der Interaktiven Branche. Die größte Marktzugangsbeschränkung für Interaktive Versender stellt jedoch die Preispolitik in der Lebensmittelbranche dar. Im umkämpften Verdrängungswettbewerb der Lebensmittelhändler vor allem im Segment der Discounter sind die zu erwartenden Erträge für viele Versender zu gering. Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt jedoch deutlich, dass der Lebensmitteleinzelhandel das Marktpotential erkannt hat und interaktive Bestellmöglichkeiten schrittweise in sein Handelsportfolio integriert. Derzeit werden verschiedene Ansätze verfolgt. So sind Modelle bei dem der Kunde Waren online bestellt und im stationären Geschäft abholt oftmals gängige Praxis. In einigen Regionen wird mittlerweile sogar der Lieferservice an den Bestellvorgang gekoppelt. Die regionale bzw. lokale Lösung von Warenlieferung besitzt dabei den klaren Vorteil, dass Waren frisch und schnell geliefert werden können.

Da viele Lebensmittel jedoch ein längeres Haltbarkeitsdatum besitzen, werden künftig auch Internet-Pure-Player der wachsenden Nachfrage von Lebensmitteln im Netz mit einem breiter aufgestellten Warensegment begegnen. Eine entscheidende Frage dreht sich rund um die Logistik. Gelingt es den Versendern, verderbliche Waren schnell und kostengünstig an den Endverbraucher zu liefern, wird sich das Einkaufverhalten der Kunden positiv gegenüber den Interaktiven Handel entwickeln. Eine elementare Voraussetzung für die Lieferung von Frischwaren sind intelligente Kühlketten, die von einigen Anbietern bereits heute erfolgreich angewendet werden. Inwieweit  sich der Versand von Frischwaren außerhalb der Metropol-Regionen durchsetzen kann, bleibt abzuwarten.     

Mit der altbekannten Bio-Kiste, die einmal in der Woche vom heimischen Gemüseproduzenten oder den Reformhaus an der Ecke geliefert wird, hat sich ein Liefermodell etabliert, das viele Konsumenten seit Jahren in Anspruch nehmen. Die Praxis zeigt, dass Grundnahrungsmittel, die wöchentlich benötigt werden, über ein Abonnementen-System an die deutschen Haushalte geliefert werden können. Heutzutage existieren mit Mobile oder Internet-Plattformen genügend Online-Tools, um die notwendige Flexibilität in die wöchentliche Bestellung zu bringen. Das entscheidende Kriterium für eine langfristig erfolgreiche Expansion sind guter Service und die hohe Qualität der gelieferten Lebensmittel. Ist dies der Fall, ist mit einer zunehmenden Verbrauchergewinnung und Kundenbindung zu rechnen. Der Versand von Lebensmitteln durch Interaktive Händler bleibt ein spannendes Zukunftsthema. 

Stefan VoigtPermalinkTrackback link
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  • 1 Kommentar(e)
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Martin Gross-Albenhausen
02.11.2012
09:38
 Uhr
Es gibt nicht "den" Lebensmittelhandel im Internet

Ich bin vom Potential überzeugt, allerdings gibt es m.E. nicht "den" Lebensmittelhandel im Internet. Das Premium-Segment ist über den Delikatessen-Versandhandel geübt. Wie man durch die Übernahme von gourmondo durch lebensmittel.de weiß, war es ein langer Weg bis zum kolportierten Umsatz von 10 Mio. Euro. Die Eismann und bofrost machen seit Jahren vor, dass Bestellen von Food unproblematisch ist. Rewe testet sich jetzt kräftig voran. Besonders interessant finde ich, dass DHL jetzt sogar die Mehrheit an allyouneed übernommen hat. Damit dürfte vor allem das Kapital zur Verfügung stehen, an dem bisher viele Ansätze gescheitert sind. Denn DHL hat ja ein doppeltes Interesse - nicht einfach nur ein ROI, sondern auch ein evolvierender Proof of Concept für die eigenen Logistik-Dienstleistungen. Denn klar ist: Die taggleiche Zustellung, die den Versandhandel (mit zentraler Logistik) durch das Konzept des "Lieferdienstes" herausfordert, hat hier ein schönes Labor, um die Prozesse immer weiter zu drehen. Ein anderes Thema ist für mich der "added value" solcher Konzepte. Meine Frau hadert nicht so sehr mit dem Einkauf, als mit der fehlenden Sortimentstiefe der bestehenden Supermärkte (on- wie offline). Und noch viel mehr damit, dass es zwar jede Menge Produkte gibt, aber die Erstellung des Wochenplans für eine fünfköpfige Familie mit zwei berufstätigen Eltern echt mühsam ist. Daher schaut sie derzeit mit Interesse auf die Abo-Modelle aus Schweden, die Project A u.a. gerade hierher kopieren. Bleibt spannend...

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