Berlin – „Silicon Valley oder digitale Bohéme“? – eine kritische Würdigung

verfasst am 05.09.2012 von Stefan Voigt


Die Spatzen pfeifen es vom Dach – Berlin ist Deutschlands Internethauptstadt. Egal aus welcher Richtung es derzeit schallt, die Melodie klingt gleich. Es scheint, dass an jeder Ecke innovative Web- und Mobile-Unternehmen wie Pilze aus dem Boden sprießen. In der medialen Betrachtung ist Berlin längst der europäische „Hotspot“ junger erfolgreicher Startups und einige Kommentatoren sehen bereits ein europäisches „Silicon Valley“ an den Ufern der Spree entstehen. Die fortwährende Lobeshymne auf die „digitale Bohéme“ ist mittlerweile fester Bestandteil des medial aufgebauschten Berlin-Hype, der in seiner Außendarstellung immer mehr an das Hipster-Phänomen alla „arm aber sexy“ erinnert.       

Klingt übertrieben – ist es auch! Dennoch kann ein differenzierter Blick, in Anbetracht der anhaltenden Berichterstattung über die Gründer-Metropole Berlin, kaum schaden. Das Image vom boomenden Startup-Biotop ist durchaus berechtigt, schließlich zieht die Stadt nach wie vor kreative Köpfe mit neuen Ideen an. Das heimische Netzwerk wächst kontinuierlich und die Beteiligung von Investoren und Inkubatoren an Unternehmensgründungen nimmt stetig zu. Die Zahl der Unternehmen steigt, doch konnten nur wenige von ihnen einen langfristigen Aufschrei erzeugen, deren Hall die Welt in Atem hält. Der Eindruck, dass mehr Masse als Klasse den heimischen Markt besiedelt, drängt sich dem neutralen Beobachter unweigerlich auf.   

Pauschale Äußerungen sind jedoch fehl am Platz, denn das Segment in dem technikorientierte Startups agieren, liegt vor allem im Bereich Mobile und nicht jede App besitzt das Potential den technischen Alltag der Menschheit zu revolutionieren. Nach wie vor lebt Berlin von seiner Attraktivität, die trotz Gentrifizierungsdebatte und steigenden Mieten im internationalen Vergleich Bestand hat. Dabei wird oft vergessen, dass gerade Zugezogene neue Ideen und Knowhow in die Stadt tragen. Es ist die Verbindung aus bestehenden Strukturen und neuem Geist, die ein Klima schafft, von dem die dienstleistungsorientierte Region profitiert.

„Made in Berlin“ ist längst eine eigenständige Marke. Die Hauptstadt kann und will nicht das europäische „Silicon Valley“ sein. Im Endeffekt wirken solche Vergleiche kontraproduktiv und sind mehr Bürde als Motivation. Letztendlich ist es doch der Begriff der „digitalen Bohéme“ der den Gründergeist im Herzen der Stadt stillecht erfasst. Das ganze „Geschreibe“ erzeugt wie so oft in der medialen Reproduktion eine öffentliche Erwartungshaltung die der eigentlichen Entwicklung nicht gut tut. Wie lang der Hype den Hype ernährt, wird sich zeigen. Ohne Frage die Stadt braucht den Rummel, denn neue Impulse schaffen nachhaltigen Mehrwert. Aber langfristig sollte dieser durch innovative Produkte und Dienstleistungen getragen sein. Wird der Hype vom Feuilleton getragen, blüht bestenfalls ein Nachruf. 

Stefan VoigtPermalinkTrackback link
Tags: e-commerce, berlin, digitale bohéme, e-commerce-hauptstadt, silicon valley, startup
Views: 566
  •  
  • 1 Kommentar(e)
  •  
Marie Schaller
21.09.2012
14:41
 Uhr
Der Schatten über Berlin

Bin gestern über einen guten Artikel gestolpert, der zu Eurem gut passt http://whats-up-in.berlinvalley.com/der-schatten-uber-berlin/ LG

Mein Kommentar

Zurück

Anmelden

Passwort vergessen.

registrieren

« September 2012»
Mo Di Mi Do Fr Sa So
          1 2
3 4 5 6 7 8 9
10 11 12 13 14 15 16
17 18 19 20 21 22 23
24 25 26 27 28 29 30

Letzte Kommentare

Speicherung Mail-Adresse
30.11.2012 11:42
RE: Technischer Projektmanager
26.11.2012 09:44
Technischer Projektmanager
21.11.2012 11:37
Technischer Projektmanager
21.11.2012 11:36

Blog rolls

  • kassenzone.dekassenzone.de
  • EtailmentEtailment
  • shopbetreiber-blog.deshopbetreiber-blog.de
  • Exciting CommerceExciting Commerce

Kopieren Sie diesen Link in Ihren RSS Reader

RSS 0.91Posts
RSS 2.0Posts

Meist gelesene Posts

Weihnachtszeit ist DDoS-Zeit
7424 Mal angesehen
21.10.2011 18:39
Der Vormarsch der Tablet-Computer
7419 Mal angesehen
06.01.2012 17:16
Herzlich willkommen Martin Groß-Albenhausen! Ciao Sabine!
6659 Mal angesehen
30.08.2011 15:16
Unser bvh-Blog startet
6285 Mal angesehen
25.08.2011 12:02