SEPA und seine Folgen

verfasst am 7.8.2012 von Ingmar Böckmann


Die Umsetzung von SEPA, dem Single Euro Payment Area schreitet voran. Wenn sich an den Kriterien zur Einführung von SEPA nichts mehr ändert, werden ab dem 1. Februar 2014 Lastschriften im E-Commerce der Vergangenheit angehören.

Welche Kriterien sind das, wer legt diese fest und warum sollen die Verbraucher auf die zweitbeliebteste Zahlart verzichten?

Ab dem 1. Februar 2014 sollen laut Deutscher Kreditwirtschaft (DK) ausschließlich handschriftlich unterschriebene Aufträge ein gültiges Mandat für eine SEPA-Lastschrift erzeugen. Rein theoretisch könnte der E-Commerce also dem Kunden einen Auftrag zur Erteilung einer SEPA-Lastschrift zukommen lassen, die dieser dann handschriftlich unterschreibt und daraufhin per Post (Fax, EMail etc. existieren im Universum der DK nicht) an den Händler zurücksendet, damit dieser die SEPA-Lastschrift dann bei seiner Bank einreichen kann. Klingt nicht nach einem erfolgversprechenden Konzept für eine Bezahllösung.

Was ist mit elektronischen Identifikationsmitteln wie dem Neuen Personalausweis (nPA), der DE-Mail oder dem E-Postbrief?

Für die DK alles keine ausreichend sicheren Lösungen. Nur die handgeschriebene Unterschrift ist sicher genug!
Die DK begründet ihr Vorgehen damit, dass sie an das Rulebook des European Payment Council (EPC) gebunden ist. Und tatsächlich bewegen sich auch alle Vorschriften, die die DK für SEPA-Lastschriften durchsetzen möchte im Rahmen dieses Regelwerks. Nur nutzt die DK vorhandene Spielräume nicht ansatzweise aus! Es gibt im Rulebook keine Regel die eindeutig vorschreibt das eine SEPA-Lastschrift handschriftlich unterschrieben sein muss. Genauso könnte auch die Signierfunktion oder die eID-Funktion des neuen Personalausweises als "Unterschrift" dienen.

Warum also soll das elektronische Lastschriftverfahren abgeschafft werden?

Nun, die Antwort ist so simpel wie einleuchtend: Den Banken ist das eLV zu billig. Mit anderen Bezahlverfahren lässt sich einfach mehr Gewinn machen. Also macht man die SEPA-Lastschrift so umständlich wie möglich.

Was kann man dagegen tun?

Der bvh engagiert sich bei SEPA folgendermaßen:

  1. Wollen wir erreichen über das so genannte SEPA-Begleitgesetz, welches die Einführung von SEPA bis 2016 regelt das altbekannte eLV zumindest übergangsweise erhalten bleibt.
  2. Wollen wir erreichen das im Regelwerk der DK Identifikationsmittel wie der nPA, DE-Mail oder der E-Postbrief, die ja extra für solche Zwecke teuer angeschafft wurden gleichrangig mit der Unterschrift verwendet werden können.
  3. Versuchen wir Öffentlichkeit zu erzeugen um auf dieses Thema aufmerksam zu machen. Leider sind die Folgen der Umsetzung eines eigentlich absolut wünschenswerten vereinheitlichten europäischen Zahlungsraumes vielen noch nicht klar. Das muss sich, unter anderem auch durch diesen Beitrag dringend ändern!
Ingmar BöckmannPermalinkTrackback link
Tags: sepa, dk, npa, bezahlarten, e-postbrief
Views: 1706
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  • 8 Kommentar(e)
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Andreas Frank
09.08.2012
11:51
 Uhr
Dazu noch längere Kontonummern

Unabhängig von den hier beschriebenen Veränderungen machen es uns die Banken mit den neuen 22stelligen Kontonummern ab 2014 erheblich schwerer, im Shop Lastschrift anzubieten. Und dann wundern sich die Banken, dass immer mehr Onlinezahlungsverkehr zum ungeliebten Wettbewerber/Konkurrenten PayPal abwandert.

mso
09.08.2012
13:30
 Uhr
ABC

Wenn Sie für das Thema wirklich Öffentlichkeit erzeugen wollen, wäre ein Schritt zum Beispiel, den Content einfach teilabr zu machen. Tweet-Button ist heutzutage Pflicht.

Ingmar Böckmann
09.08.2012
14:47
 Uhr
Re: ABC

Guter Hinweis! Das werde ich gleich in Angriff nehmen! Viele Grüße ingmar Böckmann

Arthur W. Borens
09.08.2012
19:06
 Uhr
Streichelkurs beenden!

Schon interessant zu beobachten, wie Politik, Banken- und andere Interessenverbände den wachsenden Onlinehandel dazu missbrauchen, Eigeninteressen rigoros durchzusetzen. Schon jetzt ersticken Händler in Vorschriften und Formularien. Wo sind denn die ganzen Interessenverbände der Händler (hier mal außer dem bvh), die gegen solche Dinge laut Sturm laufen und nicht nur "Öffentlichkeit schaffen"? Dieser seit Jahren stattfindende Streichelkurs führt doch zu nichts, wie wir mit jedem neuen Schwachsinnsgesetz rund um den Onlinehandel auf neue schmerzlich erfahren.

Robin Money
15.08.2012
22:15
 Uhr
da gibt es auch noch so was Geringes wie das BGB

Vielleicht sollten sich die Teilnehmer hier mal den §126 BGB in Verbindung mit den Sondenbed. für den LA-einzug n.F. 9.7.2012 4.4.2 (1) ansehen, dazu noch das EPC-Rulebook Rel. 5.1. oder 6.0 und schon ist es klar, was schriftlich wirklich heißt - nämlich mit einer Originalunterschrift - peng und fertig! Schon das "alte" Einzugsermächtigungsverfahren forderte in den Inkassobedingungen (Ausnahme EINMALLASTSCHRIFT bis max. 50 Euro - nur nach gesonderter Vereinbarung mit der 1. Inkassostelle) schon "...eine schriftliche (!!!) Einzugsermächtigung" - und Fax, e-Mail etc ist nun mal leicht zu fälschen oder etwa nicht?!?! Bevor Sie sich deart echauffieren und Zahlungsempfänger weiter verunsichern, sollten Sie an den richtigen Stellen Lobbyarbeit tun, nämlich die eSig zum Durchbruch verhelfen und beim EPC Druck machen, damit das (noch theoretische) eMandat Wirklichkeit wird. Jammern hilft nicht - nur Taten überzeugen. Der DK (früher ZKA) hat hier keine "vorhandenen Spielräume".

Ingmar Böckmann
16.08.2012
14:46
 Uhr
AW: da gibt es auch noch so was Geringes wie das BGB

Das e-Mandat und das qualifizierte e-Mandat wird durch das EPC eindeutig unterstützt! Damit wäre man nicht ausschließlich auf die Originalunterschrift und somit ein papiergebundenes Mandat festgelegt. Das qualifizierte e-Mandat wird vom EPC sogar gefordert! Die DK behauptet das ein qualifiziertes E-Mandat in Deutschland nicht möglich wäre. Bleibt das einfache e-Mandat, welches die DK nicht umsetzen will! Folglich bleibe ich dabei; die DK nutzt nicht die vom EPC gegebenen Spielräume aus, sondern versucht alles um ein e-Mandat zu verhindern!

Robin Money
19.08.2012
14:27
 Uhr
e-mandat - bislang nur Theorie

Sehr geehrter Herr Böckmann, das EPC hat die THEORETISCHEN Grundlagen geschaffen - nicht mehr! Sie können gerne das EPC anschreiben und werden keine andere Aussage als die, die ich tätige, hören. Übrigens, es gibt kein "qualifiziertes" e-Mandat, bitte nicht verwechseln, Ich denke,die Verwechselung fusst darin, dass es in DEUTSCHLAND 3 Arten von elektronischen Signaturen gibt: ❒ Elektronische Signatur Das sind Daten in elektronischer Form, die anderen elektronischen Daten beigefügt oder logisch mit ihnen verknüpft sind und die zur (meist bilateralen) Authentifizierung dienen. ❒ Fortgeschrittene elektronische Signatur Das sind Daten in elektronischer Form, die ❒ ausschließlich dem Signaturschlüsselinhaber zugeordnet sind, ❒ die Identifizierung des Signaturschlüsselinhabers ermöglichen, ❒ mit Mitteln erzeugt werden, die der Signaturschlüsselinhaber unter seiner alleinigen Kontrolle halten kann, ❒ mit den Daten, auf die sie sich beziehen, so verknüpft sind, daß eine nachträgliche Veränderung der Daten erkannt werden kann. ❒ Qualifizierte elektronische Signatur (SigG-konform) Sie beruhen auf einem zum Zeitpunkt ihrer Erzeugung gültigen qualifizierten Zertifikat (§ 2 Nr 7 SigG - Ausstellung nur auf natürliche, keine juristischen Personen) und sind mit einer sicheren Signaturerstellungseinheit - §2 Nr 10 SigG) erstellt. Sie sind aber juristisch keine Urkunden. Bitte nicht verwechseln - das e-Mandat des EPC wird aller Voraussicht nicht vor 2016/2017 aktiv in Europa angeboten werden. Freundliche Grüße R.M.

Ingmar Böckmann
20.08.2012
10:20
 Uhr
AW: e-mandat - bislang nur Theorie

Sehr geehrter Herr Money, ich habe an keiner Stelle behauptet das EPC würde ein irgendwie geartetes Produkt an den Markt bringen. Ich habe selbstverständlich immer vom Rulebook gesprochen. Das das e-Mandat (wenn überhaupt...) erst 2016/17 angeboten wird ist doch Teil des Problems! Die DK hofft scheinbar darauf das die Akzeptanz geringer ist, da sich die Verbraucher an andere Zahlweisen gewöhnt haben. Für Ihre restlichen Ausführungen verweise ich auf Kapitel 11 der FAQ zu SEPA der DK unter: http://www.die-deutsche-kreditwirtschaft.de/uploads/media/120720_DK-SEPA_FAQ_v2.4_Stand_07-2012.

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