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27.11.2013
14:14

Analyse des Koalitionsvertrages aus der Perspektive der E-Commerce-Branche

erstellt am 27.11.2013 von Sebastian Schulz

Die Große Koalition und der kleinste gemeinsame Nenner?

Eine Sturzgeburt sieht anders aus. Ganze 54 Tage sollten seit Aufnahme der ersten Sondierungsgespräche zwischen Union und SPD  bis zum heute Nacht verabschiedeten Koalitionsvertrag vergehen. Sorgfalt vor Eile, hieß es. Doch auch nach der heute erfolgten Vorlage des 185 Seiten starken Papieres – in Worten: einhundertfünfundachtzig – sollte Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert seine Pläne zur Einsetzung eines Superausschusses – quasi als Übergangsparlament – noch nicht allzu schnell wieder in der Schublade verstauen: Das letzte Wort ist  noch nicht gesprochen. Die Abstimmung der SPD-Parteimitglieder über das Dossier startet am 6. Dezember, das Ergebnis des Votums ist für den 14. Dezember avisiert. Die Stimmung an der Basis war jedenfalls im Vorfeld der abschließenden Beratungen wenig erquicklich. Ob am Ende die SPD die gesamte Parteiführung über die Klinge springen lassen wird, ist dennoch mehr als fraglich.

Neben den großen Themen wie Europa, (keine) Neuverschuldung, Finanzmarktregulierung, Bildung, Rente et cetera erscheinen mir nach erster Durchsicht nachfolgende Punkte für die E-Commerce und Versandhandelsbranche als besonders relevant:  

Wirtschaft und Handel:

Präambel: Wir sehen Deutschlands Chancen in einer mittelständisch geprägten und international wettbewerbsfähigen Wirtschaft, deren Kern auch weiterhin eine moderne, dynamische Industrie ist. Unser Land braucht Exportstärke und eine von Investitionen und Kaufkraft getragene wirtschaftliche Entwicklung.

Präambel: Unser Land braucht eine „Neue Gründerzeit“. Wir wollen Unternehmertum und Gründungsgeist stärken und zu mehr gesellschaftlicher Anerkennung verhelfen.

Europäische Wirtschaftspolitik: Wir wollen EU Vorgaben „eins zu eins“ umsetzen – das sichert auch Chancengleichheit im europäischen Binnenmarkt.

Wettbewerbsrecht: Das Wettbewerbsrecht ist so zu optimieren, dass Wettbewerbsverstöße weitgehend ausgeschlossen sind.

Post: Wir werden eine qualitativ hochwertige, flächendeckende und bezahlbare Versorgung der Bürgerinnen und Bürger mit Postdienstleistungen sicherstellen. Am Postuniversaldienst werden wir festhalten.

Einzelhandel: Der Einzelhandel befindet sich derzeit in einem Strukturwandel. Wir werden gemeinsam mit den Unternehmen und Verbänden, den Kommunen und den Gewerkschaften eine Plattform ins Leben rufen, um neue Perspektiven für den Einzelhandel aufzuzeigen – sowohl um die Verödung unserer Innenstädte zu verhindern, als auch um die Versorgung im ländlichen Raum zu gewährleisten.

StartUp: Wir wollen die rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen für Wagniskapital international wettbewerbsfähig gestalten und Deutschland als Fondsstandort attraktiv machen. Hierfür istein eigenständiges Regelwerk erforderlich. Auch neue Finanzierungsformen wie Crowdfunding („Schwarmfinanzierung“) brauchen einen verlässlichen Rechtsrahmen.

Unternehmensnachfolge:

Um die Unternehmensnachfolge zu erleichtern, werden wir Vermittlungsplattformen, wie die von den Kammern betriebene „nexxt change“, unterstützen und weiter ausbauen. Unternehmensnachfolge soll auch künftig durch die Erbschaftsbesteuerung nicht gefährdet werden. Notwendig ist daher eine verfassungsfeste und mittelstandsfreundlich ausgestaltete Erbschafts- und Schenkungsteuer, die einen steuerlichen Ausnahmetatbestand bei Erhalt von Arbeitsplätzen vorsieht.

Unternehmensstrafrecht:

Mit Blick auf strafbares Verhalten im Unternehmensbereich bauen wir das Ordnungswidrigkeitenrecht aus. Wir brauchen konkrete und nachvollziehbare Zumessungsregeln für Unternehmensbußen. Wir prüfen ein Unternehmensstrafrecht für multinationale Konzerne. Das Recht der Vermögensabschöpfung werden wir vereinfachen, die vorläufige Sicherstellung von Vermögenswerten erleichtern und eine nachträgliche Vermögensabschöpfung ermöglichen. Wir regeln, dass bei Vermögen unklarer Herkunft verfassungskonform eine Beweislastumkehr gilt, so dass der legale Erwerb der Vermögenswerte nachgewiesen werden muss. Bestechung und Bestechlichkeit im Gesundheitswesen wollen wir unter Strafe stellen.

Breitbandausbau:

Um hochleistungsfähige Breitbandnetze auszubauen, bedarf es vor allem wettbewerbs- und investitionsfreundlicher Rahmenbedingungen im EU-Telekommunikationsrecht und im Telekommunikationsgesetz, der verstärkten Kooperation von Unternehmen, besserer Fördermöglichkeiten sowie einer gute Abstimmung zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Wir wollen Regionen, die nicht mindestens eine Daten-Geschwindigkeit von 2 Mbit/s haben, so schnell wie möglich erschließen.

Netzneutralität:

Innovation und fairer Wettbewerb sind zentrale Ziele der Digitalen Agenda. Der diskriminierungsfreie Transport aller Datenpakete im Internet ist die Grundlage dafür. Dabei ist insbesondere auch sicherzustellen, dass Provider ihre eigenen inhaltlichen Angebote und Partnerangebote nicht durch höhere Datenvolumina oder schnellere Übertragungsgeschwindigkeit im Wettbewerb bevorzugen. Neutralität ist auch von Suchmaschinen zu verlangen, die sicherstellen müssen, dass alle Angebote diskriminierungsfrei aufzufinden sind.

Das so genannte Best-Effort-Internet, das für die Gleichberechtigung der Datenpakete steht, wird in seiner Qualität weiterentwickelt und darf nicht von einer Vielzahl von „Managed Services“ verdrängt werden.

Verbraucherschutz:

Verbraucher sollen selbstbestimmt entscheiden können. Unser Ziel ist ein verbraucherfreundlicher, transparenter Markt, auf dem sichere und gute Produkte unter fairen und nachhaltigen Bedingungen hergestellt und angeboten werden. Verbraucherpolitik hat auch das Ziel, das Vertrauen zwischen Wirtschaft und Verbrauchern zu stärken. Ungleichgewichte im Markt beseitigen wir, indem wir für Transparenz, Vergleichbarkeit und Möglichkeiten einer effektiven Rechtsdurchsetzung sorgen. Unserer Politik liegt ein differenziertes Verbraucherbild zugrunde. Bedürfnisse, Interessen und Wissen der Verbraucher variieren je nach Markt. Wo Verbraucher sich nicht selbst schützen können oder überfordert sind, muss der Staat Schutz und Vorsorge bieten. Zudem muss er die Verbraucher durch gezielte und umfassende Information, Beratung und Bildung unterstützen. Dies gilt insbesondere für neue Bereiche wie den Finanzmarkt und Digitale Welt. Dafür wollen wir die bestehenden Verbraucherorganisationen mit einer speziellen Marktwächterfunktion „Finanzmarkt“ und „Digitale Welt“ beauftragen.

Das EU-Verbraucherrecht soll auf Grundlage des Prinzips der Mindestharmonisierung weiterentwickelt werden. Der Grundsatz der Subsidiarität muss stärker Beachtung finden. Die Koalition möchte, dass Deutschland das Niveau dieser Mindestregelungen übertrifft. In Fällen besonderen Nutzens für Verbraucher unterstützen wir eine Vollharmonisierung.

Die EU-Richtlinie über Alternative Streitbeilegung wird zeitnah verbraucherfreundlich umgesetzt und der „Online-Schlichter“ bundesweit einheitlich ausgeweitet.

Den mobilen Commerce werden wir verbraucherfreundlich ausgestalten, zum Beispiel durch transparente Darstellungsmöglichkeiten auf mobilen Endgeräten und Rückgabemöglichkeiten von Apps.

Datenschutz:

Wir fördern Innovationen und Techniken, die sicherstellen, dass Profilbildung und darauf basierende Geschäftsmodelle ohne die Erhebung individualisierter personenbezogener Daten auskommen können. Nicht-anonyme Profilbildungen müssen an enge rechtliche Grenzen und die Einwilligung der Verbraucher geknüpft werden. Unternehmen, die Scoringverfahren anwenden, werden verpflichtet, dies der zuständigen Behörde anzuzeigen. Wir werden die Rechtsgrundlage dafür schaffen, dass die Verbraucherverbände datenschutzrechtliche Verstöße abmahnen und Unterlassungsklage erheben können.

Vorratsdatenspeicherung: Wir werden die EU-Richtlinie über den Abruf und die Nutzung von Telekommunikationsverbindungsdaten umsetzen.

EU-Datenschutzgrundverordnung: Die EU-Datenschutzgrundverordnung muss zügig weiter verhandelt und schnell verabschiedet werden, um europaweit ein einheitliches Schutzniveau beim Datenschutz zu garantieren. Die strengen deutschen Standards beim Datenschutz, gerade auch beim Datenaustausch zwischen Bürgern und Behörden wollen wir bewahren. Europa braucht ein einheitliches Datenschutzrecht für die Wirtschaft, in dem alle Anbieter, die in Europa ihre Dienste anbieten, dem europäischen Datenschutzrecht unterliegen (Marktortprinzip). Die Grundsätze der Zweckbindung, der Datensparsamkeit und -sicherheit, der Einwilligungsvorbehalt, das Recht auf Löschen und das Recht auf Datenportabilität müssen in der Verordnung gewahrt bleiben. Bei den EU-Regelungen zur justiziellen und polizeilichen Zusammenarbeit muss sichergestellt werden, dass das deutsche Datenschutzniveau bei der Übermittlung von Daten an andere EU-Staaten nicht unterlaufen werden darf.

Mindestlohn:

Zum 1. Januar 2015 wird ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro brutto je Zeitstunde für das ganze Bundesgebiet gesetzlich eingeführt. Ab 1. Januar 2017 gilt das bundesweite gesetzliche Mindestlohnniveau uneingeschränkt.

Güterverkehr und Logistik:

Den Aktionsplan „Güterverkehr und Logistik“ entwickeln wir weiter, u. a. mit einer Strategie zum sauberen, energieeffizienten Gütertransport. Wir unterstützen die Branche bei der Aufwertung der Güterverkehrs- und Logistikberufe und setzen uns gegen Lohndumping und für bessere Arbeitsbedingungen in der Transport- und Logistikbranche ein.

Sebastian SchulzPermalinkKommentare 0
Tags: koalitionsvertrag, cdu, csu, spd, große koalition
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Höhere Kunden- und Markentreue sind für Pharmaunternehmen die wichtigsten Chancen im E-Commerce

Ein Beitrag von Hartmut Stumpf, Key Account Manager bei Intershop, vom 27.11.2013

Laut der aktuellen E-Commerce-Studie 2013 ist mehr als die Hälfte (57 Prozent) der Pharmaunternehmen überzeugt, dass ein Umstieg ihrer Geschäftskunden vom Offline- auf den Online-Handel die Kunden- und Markentreue steigern könnte. Dieser Anteil ist mehr als doppelt so hoch wie in vielen anderen Branchen wie z. B. dem Versorgungssektor (25 Prozent).

Für die kürzlich veröffentlichte Studie wurden in den Sektoren Automobil, Hightech-Fertigung, Einzelhandel, Pharmazie und Telekommunikation über 400 führende IT- und Business-Entscheidungsträger von Händlern mit B2B-Schwerpunkt befragt.

Die Zahlen belegen das Streben dieses Sektors nach optimalem Service. Über die Hälfte (53 Prozent) der befragten Pharmaunternehmen ist zudem der Ansicht, dass eine stärkere Verlagerung hin zum Online-Geschäft kürzere Transaktions- und Abwicklungszeiten zur Folge hätte. Auch dieser Anteil ist doppelt so hoch wie in anderen Sektoren wie Versorger (17 Prozent), Chemie (20 Prozent), Transport und Logistik (24 Prozent) sowie Automobil (27 Prozent).

Mehr als vier Fünftel (87 Prozent) sind sich darüber hinaus bewusst, dass sie eine leistungsstarke E-Commerce-Plattform benötigen, und nannten daher nachweisbare Erfahrungen im E-Commerce sowie tiefgreifende Kenntnisse und Erfahrungen als wichtigste Kriterien für die Auswahl eines E-Commerce-Anbieters.

Der Nutzer ist König

Das Streben nach B2B-Kundenzufriedenheit betrifft auch die Funktionalitäten von E-Commerce-Websites. Pharmaunternehmen scheinen insbesondere folgende Wünsche zu haben:

·       B2B-Käufer sollen die Storefront entsprechend den Einkaufsrichtlinien des Unternehmens anpassen können (53 Prozent).

·       Es soll möglich sein, Bestellformulare zu speichern und in der nächsten Sitzung wiederzuverwenden (47 Prozent).

·       B2B-Käufern soll eine bessere Verwaltung regelmäßiger Bestellungen ermöglicht werden, z. B. durch Einrichtung automatischer Nachbestellungen auf Grundlage der vorherigen Bestellung (47 Prozent).

Vorausschauende vier Fünftel (80 Prozent) der Pharmaunternehmen gaben zudem an, dass das Ranking ihrer Produkte auf Webseiten sozialer Medien eine gute Sache sei, die sie aktiv fördern. Dieser Anteil ist deutlich höher als z. B. in den Sektoren Medien und Verlage (60 Prozent) oder Fertigung (59 Prozent).

Hinsichtlich der Einführung des Mobile-Commerce gab es ebenfalls einige interessante Ergebnisse. Mehr als zwei Drittel (67 Prozent) der Pharmaunternehmen gaben an, dass Mobile für sie in den nächsten zwölf Monaten wichtig sein wird und auch bereits seit über sechs Monaten wichtig für sie war. Dieser Anteil ist höher als im Telekommunikationssektor, wo er lediglich 43 Prozent betrug!

Mehr über die Herausforderungen, denen sich Pharmaunternehmen gegenübersehen, sowie weitere Fakten erfahren Sie in der E-Commerce-Studie 2013, die Sie hier herunterladen können.

 

Christin SchmidtPermalinkKommentare 0
Tags: intershop, hartmut stumpf, pharmaunternehmen im e-commerce
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Service im (Möbel-)Onlinehandel: Grenzkosten oder Geschäftsmodell?

verfasst von Martin Groß-Albenhausen am 27.11.2013

Vergangene Woche hatte ich die Möglichkeit, mit versierten Neumöbel-Logistikern über die Zukunft des Möbelhandels zu diskutieren. Trefflich genau an dem Tag, an dem die Meldungen über die nicht zuletzt Lieferqualität-orientierte Bewertung bei Googles „Trusted Store“-Siegel und die Informationen über den Verbundgruppen-Beitritt von Home24 die Runde machten.

Wenn man nur das Geschäft der Neumöbel-Logistiker ansieht, ist eine nachhaltige Bewegung in Richtung Onlinehandel längst im Gang. Und zwar nicht nur von Startups, sondern auch von etablierten stationären, die z.T. „heimlich“ das Internet testen. Dennoch investieren die großen Händler weiterhin in Flächen, was sich angesichts des Zinsniveaus kurzfristig lohnt, aber – auch nach Einschätzung der Neumöbel-Logistiker, die ja auch die Aufträge aus den Häusern taxieren können – mittelfristig zu einem hohen Konsolidierungsdruck führen wird.

Rechnet sich Service überhaupt?

In meinem letzten Blogpost hatte ich über neue Service-Konzepte und monetarisierbare Liefer-Erlebnisse nachgedacht. Die sind jedoch unter der bisherigen Marschrichtung des Onlinegeschäfts offenbar nicht darstellbar:

  • • Eine Entkopplung der Zustellung von der Aufbauleistung lohnt sich kaum. Der Aufbau kann von unabhängigen Service-Partnern aufgrund der abnehmenden Grenzkosten niemals günstiger erbracht werden als vom Zusteller.
  • • Umgekehrt ist nach ihrer Einschätzung eine Flexibilisierung der Zustelltermine kostenmäßig nicht abzubilden. Zumindest nicht in dem Sinn, dass Kunden Anliefertermine kurzfristig verschieben.

Jeden Morgen eine Lieblingshypothese einzustampfen, hält ja bekanntlich frisch und jung. Ich nehme also zur Kenntnis, dass „Service“ derzeit einfach kein Geld wert ist. Separat scheint er nicht rechenbar, sondern nur inkludiert in der Zustellleistung. Das stellt Modelle wie das von einfach-machen-lassen.de oder arrivalControl.com zunächst Mal vor einige Herausforderungen.

Freilich ist „kein Service“ die teurere Lösung: Die Logistiker stellen auch fest, dass die Möbelhändler, die nur den günstigsten Lieferanten wählen, häufig nach einer Saison wieder zu den Stammlieferanten zurückkehren. Das beißt sich wiederum mit der gerne kommunizierten Marketing-Botschaft einer kostenlosen Lieferung. (Mir ist allerdings aufgefallen, dass einige Online-Händler auch explizit die Möglichkeit bieten, besondere Aufbauleistungen anzufragen. Eine Unterscheidung in Standard und Premium ist also nicht ausgeschlossen.)

Den Logistikern gehen die Mitarbeiter aus

Aus der Diskussion habe ich einen Punkt mitgenommen, der in Zukunft aber doch für neue Lösungen spricht. Die Neumöbel- und Küchen-Logistiker haben heute schon erhebliche Probleme, Personal für die qualitativ höherwertigen Liefer- und Aufbauleistungen zu bekommen. Das wiederum führt zu einer tendenziell verlängerten Lieferzeit: ein Malus im Kundenerlebnis UND potenziell im Shop-Ranking bei Google.

Daran haben teilweise die Händler Mitschuld. Denn die Kommunikation zum Kunden funktioniert häufig mit dem Status „ist im Lager eingetroffen und wird zur Lieferung gebracht“ oder „ist an den Spediteur übergeben worden“. Wegen der o.g. Engpässe dauert es dann oft noch bis zu 10 Werktagen, bis die Möbel tatsächlich geliefert werden können. Die Logistiker berichten hier von täglichen Nachfragen bis hin zu extremer Verärgerung der Kunden.

Nun wäre ein Weg, die Daten „aus Kundensicht“ zu kommunizieren. Damit wäre der Zustellplan des Logistikers das führende System. Diese Sichtweise ist bis heute auch in anderen Kategorien noch nicht üblich. So unterscheidet sich etwa die „Lieferfähigkeit“ aus Einkaufssicht von der Kundensicht, wenn Einkauf und Disposition nicht nur die Artikel als lieferfähig betrachten, die physisch am Lager sind, sondern auch die, die aus Retouren beliefert werden sollen.

Logistik-Kosten und Marketing-Aufwand

Wenn freilich die Lieferzeit insgesamt ein Ranking-Faktor wird, dann stellt sich ohnehin die Frage, wie die Kosten betrachtet werden. Wenn die Kosten allein aus den im VK und/oder in der Versandkosten-Pauschale kalkulierten Bestandteilen gedeckt werden müssen, dann funktioniert nur die Grenzkosten-Betrachtung. Wenn jedoch zusätzlich Marketing-Spend angerechnet werden kann, zeigt sich eine andere Kalkulation. Dann könnte die Lieferqualität und –Geschwindigkeit eines Tages so relevant werden, dass dem immer enger werdenden Flaschenhals „Personal“ = „Liefertermin“ eine Entkoppelung der- Aufbau von der Lieferleistung entgegengesetzt werden kann. Oder muss.

Noch gar nicht betrachtet habe ich dabei mögliche Veränderungen in den Lieferverkehren selbst. Schon heute werden viele Möbel im Laden bestellt, aber dann zentral ausgeliefert – daher entsteht durch mehr Onlinehandel nicht 1:1 mehr Liefermenge. Spannend ist hingegen die Frage der Strukturen:

  1. Wo wird die Ware geladen?
  2. Gibt es noch die großen Aggregatoren, oder verteilt sich der Möbel-Lieferverkehr auf immer mehr kleine Anbieter neben einigen großen stationären, Multichannel- und Pureplay-Anbietern?
  3. Steigen Retouren-Quoten oder nicht zustellbare Lieferungen an und blockieren Frachtraum bzw. bringen die Avise durcheinander?
  4. Entstehen vermehrt Probleme, weil Aufmaß und Aufbau von verschiedenen Instanzen verantwortet werden (die Möbel-Logistiker haben vergangene Woche speziell bei Küchen darüber geklagt).
  5. Und wie sieht es mit „C2C“-Logistik aus, wenn z.B. Ikea-Gebrauchtmöbel-Portale florieren und erste Antiquitäten-Marktplätze entstehen?

Ganz abhaken mag ich deshalb das Thema „Service als Geschäftsmodell“ im Möbelhandel noch nicht.

  • • Sicher ist, dass der Druck auf die Logistik durch mehr Online-Bestellungen zunehmen wird.
  • • Sicher ist auch, dass die Kundenerwartung einer schnellen Lieferung enttäuscht wird, wenn dafür nicht genügend qualifizierte Fahrer (mehr) zur Verfügung stehen.
  • • Sicher ist zudem, dass gerade bei Möbeln die Lieferung eine qualitativ höherwertige Leistung darstellt.
  • • Und sicher ist schließlich, dass damit Logistik ein Marketing-Faktor wird und auch wenigstens anteilig so budgetiert werden muss.

Genug Gründe also, um weiter an neuen Logistikstrukturen durch und für das Internet zu arbeiten.

Martin Gross-AlbenhausenPermalinkKommentare 0
Tags: möbel-onlinehandel, logistik, lieferservice, home24, google trusted stores
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