Zur Zeit wird gefiltert nach: August 22
Filter zurücksetzen

22.08.2012
18:59

Facebookaktien bald nur noch Pennystock?

verfasst am 22.08.2012 von Sebastian Schulz


Von wegen Bankenkrise. Es ist der Datenschutz, der das europäische Beamtenherz derzeit in ungeahnte Höhen schlagen lässt. Am 25. Januar dieses Jahres vorgestellt, hat sich der Brüsseler Entwurf für eine Datenschutzgrundverordnung schnell zum europaweiten Gassenhauer entwickelt. Unklar blieb bislang, ob dieser Effekt vorrangig dem überbordenden Interesse an jenem wegweisenden Werk geschuldet ist, oder ob vielmehr Unglauben und Irritation die erkennbar fluchtartigen Tendenzen ausgelöst haben. Man weiß es nicht so genau.

Doch zurück zu den Fakten. Was will die Kommission mit dieser Verordnung? Klar. Den Datenschutz stärken. Finden wir gut. Wie will die Kommission das machen? Durch eine „Aufwertung des Instituts der Einwilligung“. Zitat Ende. Finden wir auch alle gut. Selbstbestimmt entscheiden zu dürfen, „Ja, ich will!“, ist eine prima Sache. Selbstbestimmung als Ausdruck einer freien Willensentscheidung. Selbstbestimmung als individuelles, autonomes Sein. Frei von jedweder Beeinträchtigung. Frei sein in einem freien Europa. Selten konnte man einem Dokument aus Brüssel ein derart flammendes Petitum für die Freiheit entnehmen. Doch Moment. 

„Die Einwilligung bietet keine Rechtsgrundlage für die [Daten-]Verarbeitung,  wenn zwischen der Position der betroffenen Person und des für die Verarbeitung Verantwortlichen ein erhebliches Ungleichgewicht besteht.“

So steht es in Artikel 7 Absatz 4 des Verordnungsentwurfes geschrieben. In einem Manifest der Freiheit hätte ich diesen Satz nicht vermutet. Erhebliches Ungleichgewicht. Erhebliches Ungleichgewicht? Verstehe ich nicht. Intellektuell? Körperlich? Gemeint ist glaube ich: Wirtschaftlich. Im Arbeitsverhältnis wird ein solches Ungleichgewicht ja regelmäßig vermutet. Der übermächtige Arbeitgeber will lakaienbezogene Daten verarbeiten und presst zur Legitimation eine Einwilligung desselben ab. Nachvollziehbare Einschränkung, die der europäische Gesetzgeber hier vornimmt. Beschränken wollte sich der Gesetzgeber auf diese Konstellation offenbar aber nicht. Im Verordnungstext steht dazu jedenfalls nichts.

Zugegeben. Die Historie der Facebookaktie ist nicht gerade das, was man einen ausgewachsenen Blue Chip nennt. Stand heute hat sich der Börsenwert des Unternehmens seit dem IPO halbiert. Was das mit Datenschutz zu tun hat. Nichts. Noch. Deshalb zurück zu unserem erheblichen Ungleichgewicht: Dass die Nutzung von Facebook kostenlos aber nicht gratis ist, haben wir schon häufig gehört. Hinter diesem auf den ersten Blick paradox anmutenden Satz verbirgt sich die Aussage, dass es Facebook fertig gebracht hat, (allein) mit zielgerichteter, profilbasierter Werbung zu einem der wertvollsten Unternehmen aller Zeiten aufzusteigen. Auch wenn die 100 Milliarden Grenze mittlerweile wieder in weite Ferne gerückt ist, ist der Unternehmenswert weiterhin enorm. Von seiner monopolartigen Stellung ganz abgesehen. Letzte Schätzungen der Mitgliederzahlen belaufen sich auf 955 Millionen User. Und jetzt kommt der Datenschutz ins Spiel. Was benötigt Facebook für personalisierte Werbung? Die personenbezogenen Daten der User. Und wie kommt Facebook an diese Daten ran? Richtig. Aufgrund der Einwilligung seiner Nutzer. Andere, etwa gesetzliche Erlaubnistatbestände scheiden aus. Frage: Vermögen Sie hier ein erhebliches Ungleichgewicht zu erkennen? 


Sebastian SchulzPermalinkKommentare 0
Views: 314

Need4Speed: Lean Canvas in etablierten Handelsunternehmen?

verfasst von Martin Groß-Albenhausen am 22. August 2012


Im Gespräch mit den Seed Investoren von Etventure (s. "Lob der Faulheit") hat sich der Geschäftsführer und ehemalige Bertelsmann-Manager Christian Lüdtke für den Ansatz des "Minimal Viable Products" ausgesprochen: Ein neues Produkt oder ein neuer Service wird in einer beta-Version so früh wie möglich im Markt getestet. Nur solche frühen Echtdaten geben Aufschluss darüber, ob die Annahmen zur Akzeptanz oder der Marktfähigkeit auf Basis vertrauter Vertriebswege stimmen - oder ob das Projekt überarbeitet bzw. sogar eingestellt werden muss.

MVP gehört in den Kontext der Startup-Philosophie des "Lean Canvas". Was auf den ersten Eindruck charmant erscheint - ein Business-Plan auf einer DIN A3-Seite - ist im Kern alles andere als ein Lob der Faulheit. Es ist wesentlich schwerer, sich nicht in 50 Seiten voller Ideen, Skizzen und Annahmen zu verlieren.

Lean Canvas setzt darauf, von einer Problem-Definition mit Blick auf eine klar umrissene Zielgruppe zu einer Lösung zu schreiten. Auf der DIN A3-Seite sind dazu auch noch das Wertversprechen (USP), die KPIs, Vertriebswege, Umsatz- und Kostenannahmen und der vom Autor des Lean Canvas, Ash Maurya, als "unfairer Wettbewerbsvorteil" bezeichnete Knackpunkt des Geschäftsansatzes zu benennen.

Nicht wenig - aber natürlich einfacher, wenn man "from scratch" arbeitet wie ein Gründer.

Was aber macht man in etablierten Handelsstrukturen?

Die "Unternehmer im Unternehmen" sind erstens rar gesät, zweitens finden sie oft kein fruchtbares Umfeld und drittens sind sie selbst in ihrem Unternehmen in bestimmte Prozesse eingebunden, die häufig schon das Denken lähmen. Was an anderer Stelle als "Erfahrung" wertvoll ist, kann zu einem typisch europäischen Phänomen führen: Man optimiert in den Grenzen der Prozesse, man "springt" aber nicht zu einer disruptiven, neuen Prozess-Definition.

Wenn man den "Lean Canvas" (hier ein Poster vom Startupnavigator) ins Unternehmen transferiert, dann kann der Händler aber extrem von diesem Ansatz profitieren:

  • Fokus auf den USP: Welches Wertversprechen kann ich machen, das ein typisches Kundenproblem mit meinem Sortiment oder meinem Geschäftsmodell löst?
  • Welcher Service erzeugt eine Wechselbarriere für meine Kunden? (Die Antwort auf diese Frage war bei Apple das iTunes-Ökosystem, es kann im Bereich des B2B eine Integration in Sourcing-Prozesse sein und generell z.B. die mühsame Schnittstellen-Programmierung, die EDV-Hopping unmöglich macht.)
  • Welche Prozesse machen uns langsam, wer hat damit die meisten Probleme und wie kann ich die Prozesse anders gestalten?

Lean Canvas kann man immer dann einsetzen, wenn man über die Entwicklung eines neuen POS nachdenkt - ob das ein Poster, ein Kundenmagazin, ein Store oder eine App ist. Jede Abteilung kann ein eigenes Lean Canvas aufbauen.

Viele Ideen werden sich schnell erledigen, weil einfach keine nachhaltige Differenzierung möglich ist oder nicht wirklich ein Bedarf besteht. Das erzeugt Fokus, und das wiederum macht schon per se schneller.

Wir brauchen mehr Geschwindigkeit im Handel. Lean Canvas ist ein Weg dahin.


Martin Gross-AlbenhausenPermalinkKommentare 2
Tags: innovation, startup, geschäftsprozess, usp
Views: 467

Login

Passwort vergessen.

registrieren

« August 2012»
Mo Di Mi Do Fr Sa So
    1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31    

Blog rolls

  • kassenzone.dekassenzone.de
  • EtailmentEtailment
  • shopbetreiber-blog.de
  • Exciting CommerceExciting Commerce

Kopieren Sie diesen Link in Ihren RSS Reader

RSS 0.91Posts
RSS 2.0Posts

Meist gelesene Posts

Der Vormarsch der Tablet-Computer
6501 Mal angesehen
06.01.2012 17:16
Weihnachtszeit ist DDoS-Zeit
6492 Mal angesehen
21.10.2011 18:39
Herzlich willkommen Martin Groß-Albenhausen! Ciao Sabine!
5770 Mal angesehen
30.08.2011 15:16
Unser bvh-Blog startet
5405 Mal angesehen
25.08.2011 12:02