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Lob der Faulheit

verfasst von Martin Gross-Albenhausen am 13. August 2012


Google überrascht mich dieser Tage mit einigen Neuerungen. Da ist z.B. das sog. Knowledge Graph Carousel, mit dem bei Suchanfragen statt der langen SERP-Reihen sinnvolle Resultate in Boxen (oder Fotos) oberhalb der eigentlichen Ergebnisse abgebildet werden.

Oder da ist das Erlebnis, dass Google Goggles viele meiner Handy-Bilder automatisch richtig identifiziert hat (dass der Spree-Dampfer am Bode-Museum vorbeigefahren ist, wäre mir sonst entgangen :-)).

Oder die Möglichkeit, auf dem Smartphone die Worte jetzt einfach mit dem Finger zu schreiben (fast wie vor gefühlt einem Vierteljahrhundert auf dem Palm Pilot).

Lauter "Innovatiönchen", die kein neues Geschäftsmodell begründen, aber einer grundlegenden Wahrheit geschuldet sind: Fortschritt verdankt viel der Faulheit des Menschen. Der Ansatz, das Leben bequemer zu machen, ist viel besser als alles komplizierter zu gestalten. (Für letzteres sorgen die Politiker.)

Legt man auf die einzelnen Neuerungen das Kriterium "kommt meiner Faulheit entgegen" an, dann ist die handschriftliche Eingabe wenig sinnvoll: sie ist mühsamer als z.B. Swype-Technologie, der SMS-Daumen der Kids schon sprichwörtlich und im übrigen um Längen langsamer als Siri oder Googles Voice Search.

Auf der ersten eCommerce City Lounge von Hamburg@Work hat am vergangenen Dienstag ein Vertreter der Mediterranean Shipping Company sehr deutlich auf die unerschlossenen Innovationspotentiale am "Backend" vieler Handelsprozesse hingewiesen. Bei den Reedereien würden noch vielerorts Excel-Dateien per e-Mail hin- und hergeschickt.

Lob der Faulheit - Fluch der Faulheit. Derzeit ist es offenbar bequemer, Tabellen zu schubsen, als Daten eleganter auszutauschen. Hier ist Raum für Innovation, und die Revolution steht noch bevor.

Genau solche Innovationen gibt es auch im Interaktiven Handel. Lösungen, die speziell für die vielen kleinen und mittleren Händler das operative Geschäft da erleichtern, wo nicht wirklich Herzblut und genügend Manpower liegen. Die Seed Investoren von etventure haben z.B. zwei Produkte in der Pipeline, die durchaus attraktive Lösungen bieten.

360report ist ein webbasierter Generator von Nachhaltigkeitsberichten nach GRI-Standard. Kein Ersatz für eine Zertifizierung, aber ein eleganter Weg, den Kunden und "Stakeholdern" regelmäßig Verbesserungen in der Ressourcenschonung zu dokumentieren - und zwar schön gestaltet in Prosa und auf Wunsch mit eigenem Vorwort.

Buypackaging wiederum erlaubt die Ausschreibung von Folienmaterial. Sicher kein zentrales Thema für Onlinehändler, aber gerade darum eine echte Erleichterung, wenn man nach passenden Lieferanten sucht.

Lob der Faulheit: Der E-Commerce wie überhaupt der Distanzhandel setzt sich auch deshalb so massiv durch, weil er so bequem ist. Deshalb sind solche Handels-Innovationen auch eher skeptisch zu betrachten, die vom Nutzer mehr erfordern: mehr Daten, mehr eigenes Engagement ("Customization"), mehr Risiko (Auktionen). Sie funktionieren - aber sie haben ihre Grenzen.

Und egal wie schlecht Amazon manche Produkte darstellt: Die Faulheit ist so groß, dass man doch dort kauft. Well done.

--------------

Kleiner Nachtrag: Wenn ich mir Microsofts neues Outlook ansehe, fällt mir auf, dass der gleiche Mechanismus auch gegen den Händler verwendet werden kann. Ich meine den Abmelde-Button. Bislang konnte man sich zwar schon von Newslettern abmelden, allerdings gab es nicht "den" Standard für den Abmelde-Link. Im neuen Outlook spürt Microsoft jetzt den Link auf und legt ihn hinter einen Funktionsbutton. Wenn ich zu faul zum suchen war - jetzt brauche ich nur noch auf den Abmelde-Button klicken.

Martin Gross-AlbenhausenPermalinkKommentare 0
Tags: innovation, amazon, google, etventure
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Neue EU-Richtlinie für Elektroschrott tritt heute in Kraft

Verfasst am 13.08.2012 von Stephanie Schmidt


Heute tritt die neue Europäische Richtlinie 2012/19/EU vom 4. Juli 2012 über Elektro- und Elektronik-Altgeräte in Kraft. Die Richtlinie verschäft die vorschriften für die Sammlung und Behandlung von Elektroschrott. Angesichts der stetig zunehmenden Abfallmengen in diesem Bereich soll die Richtlinie zur effizienten Ressourcennutzung und zur Rückgewinnung von wertvollen Sekundärroh­stoffen beitragen. Die Abfallmenge soll durch Vermeidung von Abfällen von Elektro- und Elektronikgeräten, aber auch durch Wiederverwendung, Recycling und andere Formen der Verwertung solcher Abfälle reduziert werden.

Ausgediente Fernsehgeräte, Laptops und Mobiltelefone sollen systematisch zurückgenommen und sachgerecht behandelt werden.

Bis zum 14. Februar 2014 müssen die Mitgliedsstaaten die Bestimmungen der Richtlinie umsetzen und ihre bisherigen Vorschriften für Elektro- und Elektronik-Altgeräte entsprechend anpassen. 

Im Einzelnen gelten folgende Ziele: 

  • Ab 2016 müssen die Mitgliedstaaten sicherstellen, dass 45 % des Durchschnittsgewichts der im Land verkauften Elektro- und Elektronik-Altgeräte zurückgenommen werden. 

  • Ab 2019 muss ein Rücknahmeziel von 65 % des Durchschnittsgewichts aller verkauften Elektro- und Elektronik-Altgeräte oder von 85 % aller anfallenden Altgeräte erreicht werden. 

EU-Umweltkommissar Janez Potočnik wies darauf hin, dass gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise und steigender Rohstoffpreise die Ressourceneffizienz die Schnittstelle sei, an der Umweltvorteile und innovative Wachstumsmöglichkeiten aufeinanderträfen. Daher sollten die Mitgliedstaaten versuchen, die neuen Ziele schon vor dem offiziellen Termin zu erreichen. 

Weitere Informationen hier.

Stephanie SchmidtPermalinkKommentare 0
Tags: richtlinie, elektroschrott, recycling, umweltschutz, elektrogeräte
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