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02.11.2012
15:45

Standortdaten - und wieder überlassen wir alles G...

verfasst von Martin Gross-Albenhausen am 2.11.2012

 

Ich liebe Standortdaten. Vor allem auf der Autobahn. Dort will man ja eigentlich nicht stehen, aber wenn man steht, dann richtig. Deshalb war der Ansatz des ADAC richtig, seine Mitglieder zu animieren, die Positionweitergabe durch Smartphone-Tracking zu erlauben und dadurch Rückschlüsse auf verstopfte Straßen zu ziehen. Die fließen dann wiederum in die Stauprognosen ein und ermöglichen live das Umfahren von Staus.

Für Android-Smartphones gibt es die App "Stau mobil" von der Netbiscuits GmbH. "Basierend auf den verlässlichen Daten des ADAC zeigt die App stets die aktuellsten Verkehrsinformationen auf Autobahnen und Bundestraßen an und bietet einfachen Zugriff auf die Staus in Ihrer Nähe." Das ist keineswegs eine App des ADAC, denn für ADAC-Mitglieder wiederum gibt es eine noch übersichtlichere Darstellung der Verkehrslage auf einer eigenen App. Diese greift auf  die Bewegungsdaten von Teilnehmern des oben beschriebenen ADAC-StauScanners zurück. Die Daten werden anonym und verschlüsselt übermittelt.

Warum reite ich darauf herum? Weil ich die ADAC-App inzwischen nicht mehr nutze. Google hat ebensolche Bewegungsdaten, vermutlich deutlich mehr, und warnt von sich aus durch rote, gelbe oder grüne Markierungen, wenn sich auf der vorgesehenen Strecke ein Stau entwickelt. Die Daten fließen live in Googles Navigationssystem ein. Im Herbsturlaub hat mir das mehr als eine Stunde Lebenszeit im Wagen gespart.

Um solche Bewegungsdaten hat eine Diskussion entfaltet, vom Bundesministerium schließlich mit der Aussage beendet, dass "der Handel mit Standortdaten grundsätzlich verboten" sei. Und in anonymisierter Form nur dann, wenn die Informationen an "Dienste mit Zusatznutzen" weitergegeben werden. Hintergrund war die inzwischen kassierte Absicht des O2-Eigners Telefónica, die "Standortdaten" der Nutzer mit Hilfe der GfK so zu verarbeiten, dass dadurch "actionable insights" werden.

  • Telefónica wollte mit der GfK zusammen ein Geschäftsmodell entwickeln.
  • Google braucht keine GfK.
  • Telefónica hätte die Informationen vielleicht an Außenwerber weiterverkauft, die auf dieser Basis gezielter Werbeflächen verkaufen könnten.
  • Google kann mit den Daten den Zukunftsmarkt der mobilen Werbung entwickeln.
  • Telefonica würde vielleicht im Rahmen der GfK-Kooperation dem Einzelhandel wertvolle Informationen über den tatsächlichen "Lauf" anbieten.
  • Google kann mit den Daten ein Bid-Management für digitale Displays entwickeln.

Google muss keine Daten weitergeben und kann dennoch alle diese Zukunftsdienstleistungen erbringen.

Das Bundeswirtschaftsministerium hat es offensichtlich nicht so mit dieser Art der Wirtschaftsförderung. Ob mit der oben zitierten lapidaren Aussage am Ende wiederum etwas mehr Macht und Kontrolle amerikanischen Konzernen überlassen wird, statt hierzulande einen vernünftigen Rahmen zu setzen - das werden wir in den nächsten 18 (oder eher 12) Monaten sehen.

Auch hier geht es um die Frage, ab wo Daten personenbezogen und nicht mehr anonym sind. Wenn Bewegungsdaten und andere Daten aus der Smartphone-Nutzung aggregiert werden, so dass am Ende die Schaufenster eher auf die Profile der Passanten zugeschnitten werden, kann das anonymisiert erfolgen. Wer die Hollister-Schaufenster sieht, die nur noch aus Screens bestehen, braucht wenig Phantasie: Natürlich kann zu jeder Tageszeit ein anderes Publikum mit anderen emotionalen Welten angesprochen werden.

Ich halte das für gut und sinnvoll und effizienzsteigernd, und Performance-Marketing in der Außenwerbung würde sicherlich der Optimierung der "Customer Journey" dienen (und: ja, man kann diese so interaktiv aufladen, dass sie messbar wird).

Vor allem aber ist es wichtig, dass es alternative Quellen für solche wichtigen Daten gibt. Wenn wir "Social" und "Mobile" den Facebook, Google, Apple und Amazon überlassen, dann wird auch "Local" bald nicht mehr in Miesbach und Chemnitz, sondern in Mountain View und Cupertino optimiert.

 

Martin Gross-AlbenhausenPermalinkKommentare 0
Tags: telefónica, standortdaten, bewegungsdaten, bvh BLOG
Views: 240

"Emotional Boosting" - Wie wir alle beim Einkaufen an der Nase herumgeführt werden!

verfasst am 02.11.2012 von Johanna Voigtmann


„Emotional Boosting“, in deutsch emotionale Verstärkung, ist eine Marketingstrategie aus Sicht des Gehirns. Die Bewertung eines Produktes oder einer Dienstleistung findet weitgehend unbewusst statt und man hat nur einen geringen Einfluss auf diesen Bewertungsprozess. Daher versuchen viele Unternehmen, ihr Produkt bzw. ihre Dienstleistungen aus der Sicht des Kunden zu betrachten und jedes „Kaufknöpfchen“ im Gehirn des Kunden zu aktivieren.

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, unbewusst den Kaufprozess eines Kunden zu beeinflussen. Jedoch ist es nicht so einfach, wie es sich anhört, da negative Emotionen doppelt so stark sind wie positive. Zudem reagieren nicht alle Menschen gleich stark auf „Emotional Boosters“, da die Emotionssysteme im Gehirn nicht bei jedem Menschen gleich ausgeprägt sind. Der eine Kunde wird bei seiner Kaufentscheidung besonderen Wert auf Sicherheitsmerkmale legen, wo hingegen ein anderer Kunde eher spontaner und neugieriger ist. Er reagiert somit stärker auf emotionale Reize und somit auf „Emotional Boosters“.

Unser Gehirn ist in 3 Emotionssysteme aufgeteilt - Das Stimulanz- und das Dominanz-System sind die optimistischen, aktivierenden Systeme im Kopf des Kunden und ermutigen (Kauf-)Risiken einzugehen. Das Balance-System ist eher pessimistisch und hemmend und versucht jedes Risiko zu vermeiden. Leider ist dieses das stärkste Emotionssystem im Gehirn des Kunden.

Um „Emotional Boosting“ anzuwenden, muss man sich zuerst immer im Klaren sein, welche Zielgruppe möchte ich mit meinem Produkt ansprechen!? Denn während die jüngeren Menschen eher auf „Stimulanz-Booster“ abfahren, gewinnt man ältere Menschen verstärkt mit „Balance-Boostern“.

Produkte sind für den Konsumenten „Sinngeber“ und „Sinnvermittler“, denn für das Konsumentengehirn sind die wichtigsten Sinngeber des Lebens Mythen und Geschichten. Daher verleihen Geschichten einem Produkt zusätzlichen emotionalen Wert. Jedes noch so kleine Signal ist eine unbewusste Erscheinung im Kundengehirn und verändert das Kaufverhalten. 

Wir nehmen die Welt und damit auch ein Produkt über unsere Sinne wahr. Jeder Sinn hat eine andere Wahrnehmungsform, ist jedoch fast jedes Mal mit einer emotionalen Bedeutung verbunden. Egal welche Form oder Farbe, alles schafft eine emotionale Botschaft im Gehirn. Die Farbe blau steht zum Beispiel für Kühle, aber auch für Sicherheit und Ordnung. Ganz anderes hingegen die Farbe rot, sie steht für Macht und Aggression. 

Auch Gerüche und Geschmäcker sind ein wichtiger Bestandteil von “Emotinal Boosting“, da gerade Gerüche unbewusst emotionale Botschaften im Gehirn auslösen. Untersuchungen ergaben, dass eine Beduftung einer Handelsfläche mit einem frischen Duft den Umsatz bis zu 3 Prozent steigern kann. Es kommt natürlich auch auf den richtigen Duft an, mit dem man sein Produkt umwirbt. Ein Haushaltsreiniger zum Beispiel sollte dem Kunden frische und Reinigungskraft vermitteln. 

Coca-Cola zum Beispiel wollte in amerikanischen Supermärkten eine Zielgruppe ansprechen, die in den 60er Jahren aufgewachsen ist. Dafür hat das Unternehmen den Duft einer Sonnencreme benutzt, die in den 60er Jahren häufig verwendet wurde. Coca-Cola hat den Duft an den Verkaufsregalen verbreitet und rief damit die Erinnerung von Freizeit, Urlaub und Spielen am Strand in den Gehirnen der Zielgruppe auf.

Eng an den Geruchsinn ist der Geschmackssinn verknüpft. Welche Bedeutung diese Sinne haben kann man an der Aroma-Industrie sehen, die jährlich Milliarden Umsätze macht. In 80 Prozent der verkäuflichen Lebensmittel sind künstliche Aromen enthalten, denn ohne Geschmacksillusionen würde sie keiner kaufen.

Das Konsumentengehirn orientiert sich meist nicht an Tatsachen, sondern nur an Illusionen und Glauben. Das Kaufverhalten wird jedoch nicht nur durch unbewusste Botschaften oder emotionale Erlebnisse beeinflusst. Es sind auch kleinere aber hochwirksame und sogenannte „Points of Sale“ mit denen man das Kaufverhalten und den Umsatz erhöhen kann. 

Schon im Eingangsbereich werden diese kleinen Boosts eigesetzt sie bewirken, dass beim Kunden kein Stress entsteht. Denn wie wir alle wissen, kaufen wir weniger, wenn wir unter Stress stehen. Das Gehirn konzentriert sich in Stresssituationen nämlich nur aufs Überleben und nicht mehr auf die Ware. Der Kunde muss also schon in der Eingangszone das Gefühl von Freiheit vermittelt bekommen. Er muss schnell eine Übersicht der Ladenfläche bekommen, denn das vermittelt Sicherheit und Ordnung. Wenn das Gegenteil der Fall ist, ertrinkt das Gehirn in einer Informationsflut, wo auch der künstlich hergestellte Duft von Erdbeeren und Vanille, der eine unterbewusst emotionale Botschaft senden soll, auch keinen Ausgleich mehr schaffen kann.

Daraus schließen wir also, dass der Kunde und somit jeder Einzelne von uns in seinem Kaufverhalten berechenbar und beeinflussbar ist, auch wenn wir es gar nicht mitbekommen.




Christin SchmidtPermalinkKommentare 1
Tags: emotional boosting, e-commerce, e-commerce-trends
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