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18.09.2013
14:53

E-Commerce im Wahlkampf - Der bvh-Parteiencheck

verfasst am 18. September 2013 von Sebastian Schulz

Endspurt im Wahlkampf 

Noch vier Tage bis zum Urnengang. Glaubt man aktuellen Umfragen, sind gegenwärtig noch rund 50% der Wähler unentschieden. Durch das ZDF Politbarometer im August erhobene Zahlen sprachen gar von einem Wähleranteil von lediglich 28% der sog. Parteitreuen, heißt übersetzt jener, die zum Zeitpunkt der Befragung schon wussten, welche Partei Sie wählen.  Erinnert man sich an Wahlkämpfe aus früheren Tagen, ist diese Zahl vergleichsweise deutlich gestiegen. Politologen sehen u.a. in der Austauschbar- und Beliebigkeit, in fehlenden Unterscheidungskriterien und in den zuweilen konturenlosen Profilen der einzelnen – demokratischen – Parteien des Deutschen Bundestages die Ursachen all dessen.

Der bvh hat die Wahl- und Regierungsprogramme von CDU/CSU, SPD, Bündnisgrünen und FDP unter die Lupe genommen und hier besonderes Augenmerk auf die für den E-Commerce relevanten Themen Handel, Internet, Daten- und Verbraucherschutz sowie Steuern gelegt. Festzuhalten ist, dass einige der seitens des bvh bereits Anfang April dieses Jahres geäußerten Forderungen Einzug in die Programme  gefunden haben. Des Weiteren haben wir die Fachpolitiker im Wege sog. Wahlprüfsteine direkt um Stellungnahme gebeten. Darunter waren u.a. folgende Themen:

Abmahnmissbrauch

„Für welche konkreten legislativen Maßnahmen wird sich Ihre Partei einsetzen, um gegen den zunehmenden Missbrauch wettbewerbsrechtlicher Abmahnungen von Onlineshops durch professionelle Abmahnvereine und auf Abmahnungen spezialisierte Anwälte vorzugehen?“

SEPA

„Mit welchen konkreten Maßnahmen wird sich Ihre Partei dafür einsetzen, dass das im E-Commerce bei Verbrauchern und Händlern beliebte Bezahlverfahren der Internet-Lastschrift auch nach der Einführung von SEPA weiterhin genutzt werden kann?“

Zukunft des Güterverkehrs

„Mit welchen konkreten legislativen Maßnahmen wird sich Ihre Partei dafür einsetzen, dass der Transport von Waren und Gütern in Deutschland und Europa zukunftsfähig gestaltet wird?“

Bei Interesse an den Antworten hierauf geben Sie mir gern ein Signal!

Nachfolgend nun aber eine auszugsweise Zusammenfassung der Positionen der Parteien zu den o.g. Themen. Ich wünsche für kommenden Sonntag eine weise Entscheidung!

 

CDU/CSU - Handel/Verbraucherschutz

-          „Unser Leitbild ist der eigenverantwortlich handelnde Verbraucher. Er braucht transparente, verständliche und vergleichbare Angebote. Aufgabe von Verbraucherpolitik ist es, dafür zu sorgen, dass die Produkte sicher sind und die Verbraucher verständliche Informationen erhalten. Verbraucher brauchen starke Rechte, aber keine Bevormundung. Angesichts des freien Warenverkehrs in Europa und des zunehmenden weltweiten Handels reichen nationale Regelungen allein nicht mehr aus, um Verbraucher wirksam zu schützen. Deshalb setzen wir uns dafür ein, die EU-Verbraucherpolitik auszubauen und das hohe deutsche Schutzniveau in ganz Europa zu verankern.“ 

-          „Im Alltag ist es für Verbraucher wichtig, dass sie schnell und einfach auf Verbraucherinformationen zugreifen können und vertrauenswürdige und kundenfreundliche Unternehmen schnell erkennen können. Deshalb wollen wir als Wegweiser für Verbraucher zum Beispiel Verbraucher-Apps und kompakt Informationen anbieten.“

-          „Gemeinsam mit Rechtsexperten, Verbraucher- und Datenschützern sowie Wissenschaftlern werden wir Kriterien für einen Check Allgemeiner Geschäftsbedingungen (AGB-Check) entwickeln. Er soll die Verbraucherfreundlichkeit transparent machen.“

-          „Dazu werden wir einen bundesweiten Online-Schlichter einführen, der unbürokratisch hilft, wenn beim Kauf im Internet etwas schief geht.“

-          „Wir wollen, dass Verbraucher die großen Chancen des Internets sicher nutzen können - etwa beim Online-Einkauf, bei Bankgeschäften, bei Reisebuchungen, in sozialen Netzwerken und bei der Recherche von Informationen. Dazu gilt es, einen möglichst umfassenden Datenschutz für die Verbraucher zu gewährleisten und Verbraucherrechte im Netz zu sichern.

CDU/CSU - Datenschutz

-          „Das hohe deutsche Datenschutzniveau muss auch bei der Überarbeitung des EU-Datenschutzrechtes erhalten bleiben.“

-          „Wir wollen, dass für die Nutzung von persönlichen Daten der Grundsatz der ausdrücklichen Einwilligung gelten muss.“

CDU/CSU - Steuern

-          „Wir wollen auch in Zukunft verlässliche Rahmenbedingungen für Betriebe in Deutschland. Deshalb bleibt unser Ziel, die Lohnzusatzkosten stabil zu halten. Deshalb lehnen wir Steuererhöhungen ab.“

-          „Mittelständische Unternehmer denken, planen und handeln langfristig. Eine verlässliche Steuerpolitik ist für diese Planungssicherheit unverzichtbar. Steuererhöhungen lehnen wir deshalb konsequent ab.“

-          „Auch die steuerlichen Anreize für eine bessere Ausstattung mit Eigenkapital werden wir ausbauen, in dem wir Nachteile gegenüber der Fremdfinanzierung abbauen.“

-          „Aus gleichem Grund dürfen auch Betriebsübergaben steuerlich nicht zu hoch belastet werden.“

-          „Eine Wiedereinführung der Vermögensteuer und Erhöhung der Erbschaftsteuer schadet daher unserer Wettbewerbsfähigkeit und vernichtet Arbeitsplätze. Deshalb lehnen CDU und CSU beides entschieden ab.“

-          „Wir werden weiter daran arbeiten, die Unternehmenssteuern in Europa anzugleichen. Unternehmen sollen über Produkte und Dienstleistungen konkurrieren, nicht mit Hilfe von Steuerkanzleien.“

-          „Wer in Deutschland wirtschaftlich aktiv ist, soll hier auch Steuern zahlen. Einem überzogenen und aggressiven Ausnutzen von Unterschieden in den Steuersystemen der verschiedenen Länder ist entgegen zu wirken.“

 

SPD - Handel / Verbraucherschutz

-          „Abzocke bei Banken, explodierende Energiekosten, Internethandel und seitenlange Allgemeine Geschäftsbedingungen, die kein Mensch versteht: […]“

-          „Die digitale Welt verändert rasant Techniken und Märkte. Diese müssen so ausgestaltet sein, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher die sich daraus ergebenden Möglichkeiten sicher nutzen können. Sie müssen sicher sein vor unlauteren Geschäftspraktiken, vor dem Missbrauch ihrer Daten.“

-          „Einrichtung eines unabhängigen Sachverständigenrates für Verbraucherfragen“

-          „Wir wollen mehr Markttransparenz: Der Zugang zu Informationen muss erleichtert und Anbieter zu einer klaren und leicht verständlichen Darstellung von Informationen verpflichtet werden. Wir wollen die Menschen in ihren Rechten, ihrem Wissen und ihren Möglichkeiten stärken, damit sie Einfluss nehmen können auf den Markt. Sie sollen schnell und unkompliziert Produkte vergleichen und eine bewusste Kaufentscheidung treffen können.“

SPD - Datenschutz/Infopflichten

-          „Wir treten auch in der EU für einen effektiven Datenschutz ein. Ziele sind ein hohes Schutzniveau und ein wirksamer Rechtsschutz, sowie starke und unabhängige Datenschutzbeauftragte. Der Datenschutz muss auch den Bedingungen der digitalen Welt entsprechen.“

-          „Einfache, merkbare und nachvollziehbare Regelungen sollen dafür sorgen, dass nicht nur Expertinnen und Experten zu ihrem Recht kommen, sondern dass der „Gesunde Menschenverstand“ ausreicht.“

-          Verbraucher „müssen sicher sein vor unlauteren Geschäftspraktiken, vor dem Missbrauch ihrer Daten.“

SPD - Steuern

-          „Wir werden Steuern sogar erhöhen müssen. Nicht alle Steuern für alle, aber einige Steuern für wenige.“

-          „Wir setzen uns für eine engere Abstimmung der Steuerpolitik der Mitgliedstaaten ein. Verbindliche Steuer-Mindeststandards für Unternehmensgewinne und Kapitaleinkommen sind nicht nur ein Gebot der fiskalischen Stabilität, sondern auch unverzichtbar, um fairen Wettbewerb im Binnenmarkt zu ermöglichen.“

-          „Weiterentwicklung der Gewerbesteuer“

SPD - Internet

-          „Deutschland braucht darüber hinaus schnelles Internet – für alle und überall. Wir wollen deshalb rasch eine flächendeckende Versorgung mit schnellen Internetanschlüssen. Darüber hinaus werden wir den weiteren Ausbau des Hochgeschwindigkeitsdatennetzes vorantreiben.“

 

FDP - Handel

-          „Wir wollen Wachstum und Wohlstand weltweit durch freien Handel. Deshalb setzen wir auf den freien Verkehr von Waren und Dienstleistungen in der EU und eine weitere Öffnung der Weltwirtschaft.“

-          „Genussmittel, die frei verkäuflich und legal handelbar sind, dürfen nicht durch Werbeverbote und Handelsbeschränkungen vom Markt gedrängt werden.“

 

FDP - Datenschutz/Verbraucherschutz

-          „Die Zuständigkeit für Datenschutz soll zukünftig beim Bundesministerium der Justiz liegen.“

-          „Der Einsatz von RFID-Chips etwa zur Verbesserung der Logistik darf nicht zur Datenschutzfalle für den Verbraucher werden. RFID-Chips an Waren – etwa bei Kleidung – sind an der Kasse vollständig und dauerhaft zu deaktivieren.“

-          „Es drohen aber auch neue Gefahren, etwa wenn im Internet hinterlassene Daten in sozialen Netzwerken ohne Wissen und Willen des Betroffenen dazu genutzt werden, Verhaltens-, Nutzungs- oder Bewegungsprofile zu erstellen, oder schwerwiegende Beeinträchtigungen des Persönlichkeitsrechts erfolgen. Wir wollen daher die Persönlichkeitsrechte stärken, insbesondere vor schweren Eingriffen besser schützen und dabei die Entwicklungsoffenheit und Technikneutralität der Rechtsordnung wahren („rote Linie für soziale Netzwerke“.

-          „Liberale Verbraucherpolitik setzt deshalb auf eine Stärkung des Verbrauchers im Markt. Wir sorgen dafür, dass Verbraucher durch Transparenz und Informationen über Dienstleistungen und Produkte in die Lage versetzt werden selbstbestimmt auswählen zu können.“

-          „Deshalb lehnen wir eine Ausweitung von Werbeverboten oder die Einführung spezifischer Konsumsteuern ab.“

FDP - Internet

-          „Die Grundversorgung mit Telekommunikationsleistungen muss jedoch künftig einen Breitband-Internetanschluss umfassen. Der Inhalt der Grundversorgung ist stets dynamisch an wachsende Übertragungskapazitäten anzupassen.“

FDP - Steuern

-          „Wir Liberale stehen dafür ein, die Belastung der Menschen und Unternehmen durch Steuern und Abgaben nicht zu erhöhen. Ziel von uns Liberalen bleibt die Senkung der Steuer- und Abgabenbelastung der Bürger und Unternehmer.“

-          „Unabhängig von der Höhe der Steuern sparen weitere Vereinfachungen des Steuerrechts Bürgern und Unternehmen Zeit und Kosten.“

-          „Die Unternehmensteuer muss wachstumsfreundlich modernisiert werden. Dazu wollen wir sie möglichst rechtsform- und finanzierungsneutral ausgestalten und für kleine und mittlere GmbHs die so genannte transparente Besteuerung einführen“

 

B90/Grüne - Datenschutz/Verbraucherschutz (Beschlüsse K und N)

-          „Es gibt viele Verhaltensweisen, die verantwortliche VerbraucherInnen nicht akzeptieren wollen. Damit sie sich ein zutreffendes Bild vom Umgang der Unternehmen mit sozialen und ökologischen Anforderungen, mit ihrem Verhalten gegenüber KundInnen machen können, werden wir gemeinsam mit den Verbraucherverbänden ein Verbraucherportal Unternehmenscheck auf den Weg bringen. Wir werden uns dafür einsetzen, dass Unternehmen soziale und ökologische Mindeststandards bei Produktion und Vertrieb in Deutschland und weltweit einhalten und ihre CSR-Standards für VerbraucherInnen erkennbar sind.“

-          „Bei Internetgeschäften wollen wir Wildwest-Methoden abstellen und die Verbraucherdaten besser schützen. Unter anderem sollen Verbraucherorganisationen die Möglichkeit erhalten, die Einhaltung von Sicherheit und Schutz persönlicher Daten im Internethandel gerichtlich durchzusetzen.“

-          „Wir setzen uns für längere und bessere Gewährleistungsrechte ein. Die Beweislast für einen Mangel soll auch nach den ersten Monaten beim Verkäufer bleiben.“

-          „Wer online kauft, darf nicht schlechter gestellt werden als offline. Wir entwickeln deshalb ein eigenständiges Leitbild für den Verbraucherschutz in der digitalen Gesellschaft und stärken im Bereich der immateriellen Güter die Verbraucherrechte, indem wir deren Wiederveräußerbarkeit rechtlich absichern.“

-          „Persönliche Daten dürfen im Geschäftsverkehr nur mit ausdrücklicher Zustimmung gespeichert und weitergegeben werden („Opt-In-Regelung“).

-          „Wir wollen es grundsätzlich verbieten, die Kreditwürdigkeit nach dem Wohnort zu berechnen.“

B90/Grüne - Steuern (Beschluss C)

„Wir werden daran arbeiten, dass Mittelstand und familiengeführte Unternehmen in Deutschland auch weiterhin gute Standortbedingungen vorfinden. Dazu haben wir die Bedürfnisse dieser Unternehmen nicht nur bei der Wirtschafts-, sondern auch bei der Infrastruktur-, Bildungs- und Steuerpolitik im Blick. Hierzu gehört auch, die unfairen Wettbewerbsvorteile internationaler Konzerne durch Steuergestaltungsmodelle zu beenden.“

 

 

Sebastian SchulzPermalinkKommentare 1
Tags: bundestag, wahlen, wahlen2013, politik
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Können mangelhafte Datenschutzerklärungen abgemahnt werden?

verfasst am 15. Juli 2013 von Sebastian Schulz

Datenschutzverstöße können zum Einschreiten der Aufsichtsbehörden und zu Beschwerden der Betroffenen führen. Ein deutlich schärferes Schwert bietet daneben zunehmend das Wettbewerbsrecht. Durch die zweifelhafte, dennoch immer engere Verzahnung beider Rechtsgebiete erhalten hierüber auch Wettbewerber und  Wettbewerbsvereine die Möglichkeit, gegen datenschutzrechtliche Verstöße anderer Unternehmen vorzugehen.

Forciert wird diese Verzahnung erneut in diesen Tagen durch ein Urteil des OLG Hamburg (Urteil vom 27.06.2013, 3 U 26/12). Dazu gleich mehr.

Richtig ist, dass sich die Verletzung datenschutzrechtlicher Bestimmungen unter Umständen auch als justiziabler Verstoß gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) darstellen kann. Instrumente des Wettbewerbsrechts können damit auch in Fällen des „Vorsprungs durch Datenschutzrechtsbruch“ zur Anwendung kommen. Zentrale Voraussetzung dafür ist, dass, orientiert an den §§ 1, 4 Nr. 11 UWG, der verletzten datenschutzrechtlichen Vorschrift auch eine zumindest sekundäre marktbezogene Regelungs- oder Schutzfunktion zukommt.

Umstritten ist dabei die Frage, in welchen konkreten Fällen einer Norm des Datenschutzrechts eine solche sekundäre Schutzfunktion tatsächlich aufweist. Instanzgerichtlich wurde dies in der Vergangenheit u.a. für den Verstoß gegen das datenschutzrechtliche Verbot mit Erlaubnisvorbehalt in Bezug auf die Reichweite des Listenprivilegs, § 28 Abs. 3 S. 1 Nr. 3 BDSG a.F. (vgl. OLG Köln, 6 U 70/09) bejaht. Auch die Weitergabe von Kundendaten zu Werbezwecken eines Dritten ohne Einwilligung der Betroffenen (vgl. OLG Stuttgart, 2 U 132/06) sowie die Nutzung rechtswidrig erlangter Adressdaten zur Mandantenansprache (vgl. OLG Naumburg, 1 U 17/03) wurde bereits als wettbewerbswidriges Verhalten eingestuft. Den vorgenannten Entscheidungen ist gemein, dass die darin festgestellten Verstöße gegen geltendes Wettbewerbsrecht jeweils auf die rechtswidrige Nutzung personenbezogener Daten zu Werbezwecken zurückgeführt wurden. Die nötige marktbezogene Regelungsfunktion der einschlägigen Normen des BDSG wurde jeweils aus dem auf die Förderung des Absatzes gerichteten Zweck von Werbung und direkter werblicher Ansprache hergeleitet. Daneben kann auch eine Datenerhebung, die unter Ausnutzung der geschäftlichen Unerfahrenheit der Betroffenen erfolgt, namentlich bei Kindern ohne Einbeziehung der Erziehungsberechtigten mit dem Ziel, die Daten zu eigenen Werbezwecken zu nutzen, gegen wettbewerbsrechtliche Vorgaben verstoßen (vgl. OLG Frankfurt, 6 U 168/04, gestützt auf § 4 Nr. 2 UWG). Vor dem Hintergrund möglicher wettbewerbsrechtlicher Beseitigungs- und Unterlassungsansprüche galt daher schon immer das Gebot erhöhter Wachsamkeit beim Umgang mit personenbezogenen Daten zu Werbezwecken.

Und wie steht es um die Abmahnbarkeit bei Verstößen gegen andere Normen des deutschen Datenschutzrechts?

Der für das Wettbewerbsrecht zuständige 5. Senat des Berliner Kammergerichts hatte sich im Jahr 2011 erstmals mit der Frage auseinanderzusetzen, ob eine Verletzung der bereichsspezifischen Norm des § 13 Abs. 1 Telemediengesetz (TMG) zugleich als Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht gewertet werden könne. Gemäß § 13 Abs. 1 TMG haben Diensteanbieter, d.h. Anbieter, die eigene oder fremde Telemedien zur Nutzung bereithalten oder den Zugang zur Nutzung vermitteln, den Nutzer zu Beginn des Nutzungsvorgangs über Art, Umfang und Zwecke der Erhebung und Verwendung personenbezogener Daten sowie über die Verarbeitung seiner Daten zu unterrichten (=Datenschutzerklärung). Damals beanstandete die Antragstellerin, der Antragsgegner habe den Facebook-like-button auf seiner Website integriert, ohne die Nutzer der Website über die damit verbundene Datenerhebung und -übertragung zu informieren. Mit der hierdurch erfolgten Verletzung von § 13 Abs. 1 TMG habe der Antragsgegner zugleich gegen § 4 Nr. 11 UWG verstoßen.

Das Kammergericht hatte sich dieser Argumentation damals nicht angeschlossen. Zwar „mag einiges dafür sprechen“, dass der Antragsgegner gegen § 13 Abs. 1 TMG verstoßen habe. Ein Verstoß gegen wettbewerbsrechtliche Vorschriften sei dadurch allerdings nicht intendiert, da jedenfalls im Hinblick auf die Mitbewerber den in § 13 Abs. 1 TMG normierten Informationspflichten nicht die notwendige Schutzfunktion entnommen werden könne. Die im Ergebnis zu bejahende, allein auf die Verbraucher ausgerichtete Schutzfunktion, nämlich der Schutz vor Beeinträchtigungen der Privatsphäre, genüge nicht für eine Anwendbarkeit des UWG. Hier fehle es insoweit an der notwendigen wettbewerbsbezogenen Schutzfunktion. Mit seiner Argumentation fügte sich der erkennende Senat in das seinerzeit herrschende Meinungsbild ein.

Und nun zum jüngsten Urteil des OLG Hamburg. Entgegen der eben dargestellten Auffassung des KG Berlin hat der erkennende Senat mit Urteil vom 27. Juni 2013 entschieden, dass § 13 TMG doch eine Marktverhaltensregel iSv § 4 Nr. 11 UWG darstelle. Mangelhafte Datenschutzerklärungen sind nach der Auffassung des Senats damit sehr wohl wettbewerbsrechtlich angreifbar. 

Zur Begründung führt das Gericht aus (Rn 58):

"Bei dieser Norm handelt es sich nach Auffassung des Senats um eine im Sinne des § 4 Nr. 11 UWG das Marktverhalten regelnde Norm (a.A. KG GRUR-RR 2012, 19). Diese Vorschrift setzt u.a. Art. 10 der Datenschutzrichtlinie 95/46/EG um, die nicht nur datenbezogene Grundrechte gewährleisten (Erwägungsgrund 1), sondern auch den grenzüberschreitenden Verkehr personenbezogener Daten auf ein einheitliches Schutzniveau heben soll (Erwägungsgründe 6 und 7), weil ein unterschiedliches Schutzniveau ein Hemmnis für die Ausübung von Wirtschaftstätigkeiten auf Gemeinschaftsebene darstellen und den Wettbewerb verfälschen könne (Erwägungsgrund 7 Satz 2). Die Regelungen der Richtlinie dienen deshalb auch der Beseitigung solcher Hemmnisse, um einen grenzüberschreitenden Fluss personenbezogener Daten kohärent in allen Mitgliedsstaaten und in Übereinstimmung mit dem Ziel des Binnenmarktes zu regeln (Erwägungsgrund 8). Entgegen der Auffassung des Kammergerichts (a.a.O.) handelt es sich deshalb bei dem Verstoß gegen § 13 TMG nicht nur um die Mißachtung einer allein überindividuelle Belange des freien Wettbewerbs regelnden Vorschrift. Denn § 13 TMG soll ausweislich der genannten Erwägungsgründe der Datenschutzrichtlinie jedenfalls auch die wettbewerbliche Entfaltung des Mitbewerbers schützen, indem gleiche Wettbewerbsbedingungen geschaffen werden. Die Vorschrift dient mithin auch dem Schutz der Interessen der Mitbewerber und ist damit eine Regelung i.S. des § 4 Nr. 11 UWG, die dazu bestimmt ist, das Marktverhalten im Interesse der Marktteilnehmer zu regeln (vgl. Köhler in: Köhler/Bornkamm, UWG, 29. Aufl., Rn 11.35c zu § 4 UWG).  Angesichts der vorgenannten, der Datenschutzrichtlinie zugrundeliegenden Erwägungen ist darüber hinaus anzunehmen, dass die Aufklärungspflichten auch dem Schutz der Verbraucherinteressen bei der Marktteilnahme, also beim Abschluss von Austauschverträgen über Waren und Dienstleistungen, dienen, indem sie den Verbraucher über die Datenverwendung aufklären und dadurch seine Entscheidungs- und Verhaltensfreiheit beeinflussen (vgl. auch Köhler, a.a.O., Rn. 11.35d)."

Fazit: Das OLG Hamburg eröffnet ein neues Spielfeld zur Abmahnung durch Wettbewerber. Wenn auch die Entscheidung des Kammergerichts aus dem Jahr 2011 noch nie als Freiticket für unachtsam formulierte Datenschutzerklärungen verstanden werden durfte, steigt mit der jüngsten Entscheidung des obersten Hamburger Gerichts erneut das Abmahnrisiko. Solange keine abschließende Entscheidung des BGH vorliegt, muss nun jederzeit damit gerechnet werden, dass Amts- und Landrichter nicht mehr das Urteil des KG sondern vielmehr das Urteil des OLG Hamburg zur Grundlage ihrer eigenen Entscheidung machen. 

Sebastian SchulzPermalinkKommentare 0
Tags: datenschutzerklärung, uwg, bdsg, abmahnung, tmg, olg hamburg
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E-Commerce in Schweden steigt stark

Gastbeitrag, verfasst am 11.7.2013 von Florian Seikel (IDIH)

„E-Commerce in Schweden wächst weiterhin stark an. Auch lassen sich in Schweden sortimentsabhängig um bis zu 60% höhere Verkaufspreise als in Deutschland erzielen. Gleichzeitig ist der internationale Handel für die Exportnation Deutschland seit Jahrzehnten das Fundament wirtschaftlicher Stärke. Globalisierung ist also "Business as usual". 

Doch obwohl Deutschland Exportnation ist, nutzen deutsche Online-Versender noch viel zu selten ihre Stärken, um im Ausland zu expandieren. Der, gemeinsam von Salesupply und shopanbieter.de initiierte und mit WEBSALE und SoQuero veröffentlichte, internationale Preisindex, belegt anhand exemplarisch ausgewählter Produkte die vorhandenen und mitunter erheblichen Unterschiede in den europäischen Märkten.

So erzielen bei zwei untersuchten Produkten aus dem Haushaltsbereich beide Artikel in Schweden einen um 60 % höheren Verkaufswert bei gleichen oder sogar niedrigeren Marketingkosten. Daraus ergibt sich für die untersuchten Produkte eine um bis zu 70 % niedrigere Kosten-Umsatz-Relation (KUR). Somit ist das skandinavische Land für jeden Händler dieses Sortiments ein höchst interessanter und lukrativer Zielmarkt.“

Dies schrieb Peter Höschl in einem Artikel auf Shopanbieter.de im Juni 2013.

Aus diesen Gründen ist die Study Tour Stockholm, die das IDIH mit seinen Partnern bvh, Klarna und Salesupply durchführt, unglaublich aktuell und sehr beliebt. Da noch einige wenige Plätze frei sind, präsentieren wir Ihnen hier die aktuelle Agenda der Reise:

Agenda / Timing

18. September 2013 (abends):

Anreise und Abendessen. Die Teilnehmer lernen sich kennen.

19. September 2013:

Besichtigung von vier Unternehmen, Austausch mit den Gründern der Firmen
8:30- 10.30 Uhr Klarna HQ Stockholm,
11.00-12.30 Uhr FYNDIQ
13.00-14.30 Uhr Wrapp
15.00- ca. 17.00 MyFC
Abendveranstaltung, der Abend klingt mit einer Kneipentour aus.

20. September 2013:

Besichtigung von zwei Unternehmen, Austausch mit den Gründern der Firmen
9.00-10.30 Uhr JDome
11.00- ca. 13.00 Uhr Mutewatch

Nach dem Lunch Stadtrundfahrt & Abreise, individuelle Verlängerung des Aufenthalts.

Kostenbeitrag

1.190 EUR (regulär)

990 EUR (Ermäßigung für Mitglieder der Kooperationspartner bzw. Frühbucherrabatt bis zum 15.07.2013)

Anmeldung

Anmeldungen sind über die IDIH-Homepage (http://www.idih.de/veranstaltungen/idih-studienreise-europ%C3%A4ische-start-branche) oder direkt über Florian Seikel (E-Mail: Florian.Seikel@idih.de, Tel.:+49 (0)162-2561001) möglich. Herr Seikel steht Ihnen auch gerne für weitere Informationen und zur Beantwortung jeglicher Fragen zur Verfügung.

Anmeldeschluss 15.08.2013

Dem Veranstalter bleiben organisatorische Änderungen vorbehalten.

Allgemeine Hinweise

http://online.wsj.com/article/SB10001424127887324659404578498961600717902.html?mod=wsj_streaming_stream#

http://pandodaily.com/2012/11/20/why-tiny-stockholm-has-the-most-stunning-startup-ecosystem-since-tel-aviv/

http://www.wired.co.uk/magazine/archive/2012/09/european-startups/stockholm

http://startuplocation.com/stockholm

http://www.shopanbieter.de/kanal/internationalisierungLandingpage.php

Sebastian SchulzPermalinkKommentare 0
Tags: schweden, e-commerce, reise, studienreise
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